Im besten Licht

Nein

Bucherer ist eine exklusive Kooperation mit der Diamantenfirma «Royal Asscher» aus Amsterdam eingegangen. Deren Patron, Edward Asscher, hat Diamanten im Blut, einen Schliff, der nach seiner Familie benannt ist und er lebt das Geschäft mit den Glitzersteinen an sieben Tagen pro Woche. Er sagt: «Ein Diamant ist ein emotionales Produkt.» Die Fieberkurve dafür steigt.

Bolero: Herr Asscher, was bedeutet das «Royal» in ihrem Firmennamen? Sind Sie so etwas wie der Hoflieferant für Diamanten?
Edward Asscher: Nun, das holländische Königshaus kauft dort ein, wo es möchte. Es gibt da keine Verpflichtungen. Meine Familie trägt aber seit 1980 einen königlichen Titel. Den bekommt man in Holland, wenn die Familie über hundert Jahre ansässig ist und wenn man sowohl gesellschaftlich wie geschäftlich einen makellosen Ruf hat. Wir haben deshalb unsere Firma und auch unseren Diamantschliff von «Asscher» in «Royal Asscher» umbenennen können. Wobei wir auch den Schliff erneuert haben.

Was ist der Unterschied?
Die achteckige Form ist dieselbe geblieben, aber unsere Schleifer haben 16 Facetten hinzugefügt. Der «Royal Asscher Cut» hat 74 Facetten und dadurch mehr Licht und Feuer. Der alte Schliff, der 1902 entwickelt wurde, hatte deren 58. Der neue Schliff wurde einerseits durch neue Technologien ermöglicht. Andererseits war er für unser Familienunternehmen auch eine Notwendigkeit. Das Patent für den Original «Asscher Cut» lief nach 100 Jahren aus. Jeder kann heute «Asscher» schleifen. Deshalb machen wir es nicht mehr. Mit dem «Royal Asscher Cut» * haben wir wieder eine geschützte Exklusivität.


Prächtiger Diamant-Solitär mit «Royal Asscher»-Schliff

Kennen Sie Probleme mit Kopien?
Noch nicht. Einer der Gründe dafür ist der folgende: Die Grundstruktur eines Diamanten ist der Oktaeder. Normalerweise teilt man ihn in zwei gleiche Hälften. Daraus kann man zwei runde Steine schleifen oder man kann zwei quadratische Prinzess-Schliffe machen. Prinzessschliffe behalten 70 Prozent des Steines. Runde Schliffe behalten 45 Prozent des Steines. Wir machen etwas ganz anderes. Wir sägen den Rohling in zwei ungleiche Teile. Dadurch bekommen wir auf der grösseren Hälfte eine dicke Krone, die wir brauchen, um die Brillanz zu verbessern. Dies geht gegen das Gefühl der Diamantleute. Weil das Rohmaterial so teuer ist, wollen sie immer die grösste Ernte aus jedem Stein einfahren. Wir hingegen wollen das schönste Resultat. Und so schleifen wir nur einen grossen «Royal Asscher Cut» aus dem rohen Stein. Das ist auch ein Grund für den Preisunterschied. Aus dem Abschnitt entsteht dann ein kleiner Brillant oder ein kleiner «Royal Asscher-Cut».

Welche Garantie bekommt der Kunde, wenn er einen Ihrer Steine kauft?
Jeder unserer Steine besitzt einen GIA-Report (Gemmological Society of America, Red.). Und er ist mit einem Code versehen, der ihn als einen unserer Diamanten ausweist. Wir können den Weg unserer Steine so verfolgen. Zudem garantieren wir, dass unsere Diamanten konfliktfreie Diamanten sind.

Wie können Sie das garantieren?
Wir haben Projekte gegründet oder sind bei Organisationen dabei, die sicherstellen, dass Geld aus dem Diamantengeschäft zurück nach Afrika fliesst. Meine Tochter Lita hat zusammen mit einer NGO Sierra Leone besucht, weil sie sich ein Bild vor Ort machen wollte. Zusammen mit De Beers, Tiffany & Co. und Cartier sind wir im Diamond Empowerment Fund, der Bildungsprojekte in Afrika finanziert.

Wie ist ihr Unternehmen aufgebaut?
Uns gibt es seit 1854. Ich leite das Unternehmen in der fünften Generation. Zusammen mit meinen Kindern. Meine Tochter Lita führt in New York Asscher America. Mein Sohn Mike arbeitet mit mir in Amsterdam. Von da aus leiten wir unsere weltweiten Geschäfte. Unsere Büros befinden sich in dem Haus, das seit 1907 unser Hauptsitz ist. Wir haben Niederlassungen in London, Paris, New York, Sydney, Seoul und Tokio. Alle fünf bis zehn Jahre erneuern wir unsere Firma. Es gibt viele Leute im Diamanten Business. Meine Kinder und ich wollen nicht dasselbe machen wie alle anderen. Unser Unternehmen ist heute ganz anders als vor zehn Jahren. Der «Royal Asscher Cut» macht heute 40 Prozent unseres Business aus. Wir haben auch eine Diamanten- und Schmuck-Manufaktur. Wir sind im Schmuckgeschäft. Wir denken dauernd über Neuheiten in der Schmuckindustrie nach. Wir haben den Namen und die Reputation in den Diamanten. Wir gehen jetzt einem Schritt weiter und entwickeln dafür neue Märkte und Designs. Am liebsten dort, wo andere noch nicht sind. Das ist unsere Geschäftsphilosophie. Und sie funktioniert.


Königin Elizabeth II bei der Eröffnung des Parlamentes. Ein grosses Stück des «Cullinan» schmückt ihre Kronel

Ihre Familie hat Diamantgeschichte geschrieben. Die berühmtesten Steine gingen durch ihre Hände...
Wir haben mit dem «Cullinan» und dem «Excelsior» den grössten und den zweitgrössten je gefundenen Diamanten gespalten und geschliffen. Die grössten Stücke des «Cullinan» sind Teil der britischen Kronjuwelen und im Tower in London zu besichtigen. Weitere Teile trägt die englische Königin in einer Brosche. Meine Vorfahren schliffen auch den nach der deutschen Stahldynastie benannten «Krupp» von über 33 Karat. Es ist der wohl bekannteste «Asscher Cut»-Diamant. Der Stein wurde durch den zweiten Weltkrieg berühmt. Später bekam ihn ein nettes jüdisches Mädchen von ihrem Liebsten geschenkt. (Liz Taylor. Der Stein wird als «The Elizabeth Taylor Diamond» Mitte Dezember bei Christie’s New York aus dem Nachlass der Schauspielerin versteigert. Red.)

Stimmt die Geschichte, wonach Ihr Vorfahr bei der Spaltung des «Cullinan» 1908 vor Aufregung in Ohnmacht fiel?
Es ist eine schöne Geschichte, nicht wahr? Um Diamanten zu Spalten macht man eine kleine Kerbe hinein. In diese Kerbe legt man eine Stahlklinge, dann nimmt man einen Stahlhammer und schlägt zu. Wenn alles richtig läuft, spaltet sich der Diamant dort wo man es berechnet hat. Das ist fast so einfach wie Holz spalten anhand der Wachstumsringe. Beim «Cullinan» brach die Stahlklinge. Wir haben heute noch die gebrochene Klinge in unserem Archiv, den eigentlichen «Fussabdruck» des «Cullinan». Damals standen rund 40 Leute um Joseph Asscher herum. Zeugen, Notare, Leute vom englischen Hof. Joseph schickte alle hinaus bis auf den Notar. Er vertiefte die Kerbe, nahm eine grössere Klinge, einen grösseren Hammer und schlug erneut und fester zu. Der Stein von über 3106 Karat zersprang in zwei Teile. Insgesamt gab es 96 einzelne Steine daraus, davon drei besonders grosse. Als alles gemacht war, wie geplant, feierte Joseph Asscher eine grosse Champagnerparty. Danach wurde er ohnmächtig. Das ist die wahre Geschichte. (lacht)

 

Wieviele solche Champagnerpartys haben Sie schon gefeiert?
Mit den heutigen Bethoden können so grosse Steine nicht mehr ans Licht geholt werden. Das Kimberlit-Gestein, in dem sich die Diamanten befinden, wird mit Maschinen aus dem Boden gefördert, auf grosse Lastwagen verladen und aus den Minen zu den sogenannten Crushing Plants hochgefahren. Dabei werden auch grosse Diamanten gebrochen. Das ist eine ökonomische Frage. Würde man den Abbau langsam machen, um grosse Steine nicht zu beschädigen, wäre es nicht mehr wirtschaftlich. Heute wiegen grosse Steine, die den Förderprozess überlebt haben vielleicht noch 50 Karat. Damals haben sie einen Stein von Hand aus der Wand genommen und danach realisiert, dass sie den grössten Diamanten der Welt gefunden hatten.

Können Sie auch eine Diamanten-Story über ihr eigenes Königshaus erzählen?
Als Kronprinz Willem-Alexander Mädchen zu treffen begann, fing ich an zu denken. In den Zeitungen gab es immer Fotos seiner jeweiligen Freundinnen. Ich wollte sicher sein, dass ich an dem Tag an dem er heiraten würde den passenden Diamanten hatte. Ich habe auf der ganzen Welt geschaut. Fünf Jahre lang. Ich wusste, was ich wollte. Der Familienname des holländischen Königshauses ist Oranje-Nassau. Oranje heisst auf Deutsch orange. Ich wollte also einen orangefarbenen Rohdiamanten kaufen. Ich fand ihn. Wir schliffen ihn und zum Vorschein kam wirklich ein leuchtendes Orange. Ich hatte also den Stein, die Frage war nun, wie ich ihn dem Kronprinzen verkaufen könnte. Die Details kann ich ihnen nicht geben. Ich verkaufte ihn durch einen freundlichen Händler der Königin. Er verschwand von der Bildfläche. Ein Jahr später verkündete der Kronprinz am Fernsehen seine Verlobung. Und Màxima hatte meinen orangen Diamanten am Finger. Sie trägt ihn seither jeden Tag, und lässt mir immer mal wieder ausrichten, wie sehr ihr der Stein gefällt.

Was sind Ihre Tipps für den Kauf eines Diamanten?
Ein Diamant ist ein emotionales Produkt. Man kauft ihn, um jemanden glücklich zu machen oder um ein glückliches Ereignis zu feiern. Das einzige, was zählt ist, dass Sie beim Anblick des Schliffes sagen, wow! und dass Sie ihn lieben. Dann ist es ein guter Schliff. Wenn Sie den Stein nur interessant finden, er ihnen aber keine Emotion gibt, dann lassen sie die Finger davon. Wenn Sie zwei fast gleiche Steine haben, mit demselben Zertifikat. Und einer spricht zu ihnen. Weil er eine Persönlichkeit hat. Und der andere tut das nicht, dann nehmen sie den mit der Persönlichkeit. Derjenige, der ihnen eine Emotion gibt. Der andere mag grösser sein, kann aber nichts für Sie tun. Schauen Sie nicht nur auf die berühmten 4 C (Cut = Schliff, Carat = Gewicht, Color = Farbe, Clarity = Reinheit). Schauen Sie mit Gefühl auf das Design. Es muss etwas in ihnen auslösen. Wenn Sie etwas fühlen beim Anblick des Stückes, dann müssen Sie kaufen.

Sind Diamanten eine gute Geldanlage?
Ich verkaufe keine Diamanten als Investition. Aber es gibt eine Verknappung und eine steigende Nachfrage. Vor allem nach grösseren Diamanten. Nach den Gesetzen der Wirtschaft werden die Preise also steigen. Wenn ich die Kräfte des Weltmarktes anschaue, ist es gut einen Diamanten zu kaufen.

* In der Schweiz und in Deutschland verkauft Bucherer exklusiv Schmuck mit «Royal Asscher Cut» Diamanten.