Breguet im Schweizerischen Nationalmuseum

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In Zürich sind Meisterwerke der Uhrmacherkunst aus dem Hause Breguet zu bewundern. Die Ausstellung «A.-L. Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt» begeistert Fans von Geschichte, Mechanik und Glamour gleichermassen.


Abraham-Louis Breguet, Öl auf Leinwand, vor 1800

Das Uhrenatelier, das der Neuenburger Uhrmacher Abraham-Louis Breguet (1747 bis 1823) in Paris an Quai de l’Horloge auf der Ile de la Cité 1775 gegründet hatte und das sich heute im Markenportfolio der Swatch Group befindet, brachte nicht nur von den wichtigsten uhrmacherischen Innovationen hervor, Breguets «Garde-Temps» waren (und sind) immer auch Objekte von ausgesuchter Schönheit. Das schätzten die Stilikonen ihrer Zeit wie Joséphine Bonaparte, die 1800 eine diamantbesetzte «Montre à Tact» erwarb, an der sich die Zeit auch im Dunkeln ertasten liess.


Kleine Medaillon-Tastuhr. Blau emailliertes Goldgehäuse, mit Diamanten besetzter Pfeil und Tastelemente aus grossen runden Diamanten, Silberzifferblatt, Rubin-Zylinderhemmung. Verkauft am 18.02.1800 an Joséphine Bonaparte.

Das faszinierendste Exponat ist wohl die Replika der «Marie-Antoinette», der mehrmals gestohlenen und lange verschollenen damals kompliziertesten Uhr der Welt. Sie war 1783 bei Breguet bestellt worden. Ob vom König, von einem Liebhaber, oder von einem Feind, der die Verschwendungssucht der Königin anprangern wollte, ist nicht geklärt. Insgesamt 20 Uhrmacher sollten daran arbeiten. Fertig gestellt wurde sie erst 1827. Marie-Antoinette brauchte sie da längst nicht mehr...


Perpetuelle Uhr mit Minutenrepetition «Marie Antoinette». Goldgehäuse, Zifferblatt aus Bergkristall, Zeiger aus Gold und Stahl, vollständiger eweiger Kalender, Zeitgleichung, Anzeige der Gangreserve, metallisches Thermometer, grosse unabhängige Sekunde und kleiner Sekundenanzeiger. Replikat der Marie-Antoinette genannte Uhr N° 160, ausgeführt von 2005 bis 2008 durch die Montres Breguet.

Die Uhrmacherei verdankt Abraham-Louis Breguets genialem Erfindungsgeist technische Innovationen wie den automatischen Aufzug, die Repetieruhr oder den Tourbillonregulator. Ästhetische Schlichtheit, hohe Funktionalität, einwandfreie Fertigung, flache Gehäuse, besser ablesbare Ziffern, schlanke, gerade Zeiger waren weitere Merkmale von Breguet-Uhren und für die damalige Zeit neu. Abraham-Louis Breguet reiste mehrmals nach London, um sich mit dem dortigen Uhrmachermeister John Arnold (Arnold & Son) auszutauschen. 1816 wurde Breguet in die französische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Eine Ehre, die er sich hart und lange hatte erarbeiten müssen.


Entwurf einer Abhandlung über die Uhrmacherkunst von A.-L. Breguet. Die zwei Hefte sind Teil eines Loses von sieben Manuskripten, das Nicolas G. Hayek am 7. Mai 2010 erworben hat. Die Texte, deren Existenz bisher nicht bekannt war, sind noch nicht veröffentlicht.

Der Uhrmacher Breguet war auch ein begnadeter Geschäftsmann. Er zählte die Höfe Europas, Russlands und des ottomanischen Reiches zu seinen Kunden. 1793, in den nachrevolutionären Wirren in Frankreich flüchtete er zurück in die Schweiz aus Beunruhigung über seine Verbindungen zum Hof. Zwei Jahre verbrachte er mit seiner Familie in Genf, Neuchâtel und Le Locle bevor er sich zurück nach Paris wagte und sein Geschäft wieder eröffnete. 1808 war sein geschäftliches Rekordjahr. Er verkaufte 196 Uhren.


Reisependülette mit Viertelstundenrepetition und Almanach. Gehäuse aus vergoldeter Bronze , Silberzifferblatt mit grossem Fenster für die Mondphasenanzeige, vorgeblendete Platte aus vergoldetem Metall und Blattwerkgravuren mit drei FEnstern für Wochentag, Datum und Monat Ankerhemmung. Verkauft am 24.04.1798 an General Bonaparte.

Die Ausstellung in Zürich ist eine Kooperation des Schweizerischen Nationalmuseums, der, Montres Breguet SA, und des Musée du Louvre. Gezeigt werden 170 Taschenuhren, Pendülen, Patente, Porträts und Urkunden. Darunter ein Originalmanuskript Abraham-Louis Breguets, das als eines der wichtigsten Dokumente der Uhrmacherkunst gilt. Der vor einem Jahr verstorbene Uhrenpatron und Breguet-Besitzer Nicolas G. Hayek hatte die Handschrift am 7. Mai 2010 an einer Auktion erworben. Die Uhren-Exponate stammen aus Frankreich, England, Russland und aus der Schweiz.

«A.-L. Breguet. Die Uhrmacherkunst erobert die Welt», Schweizerisches Nationalmuseum Zürich, bis 8. Januar 2012