Audemars Piguet investiert
Am Wochenende hat die einzige Schweizer Luxusuhrenmanufaktur, die stets in der Hand der Gruenderfamilien geblieben und unabhaengig ist, in Bahrain am arabischen Golf einen neuen Shop eroeffnet. Die Waadtlaender Firma treibt damit ihre Internationalisierung weiter, ohne dabei die Schweizer Wurzeln zu verlieren. An ihren drei Produktionsstandorten in Le Brassus, Le Locle und Meyrin, stellt Audemars Piguet Uhren der obersten Preisklasse her. Die Jahresproduktion beläuft sich auf rund 26'000 Uhren pro Jahr. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 800 Mitarbeiter, davon 700 in der Schweiz.
In einem der seltenen Interviews hat sich der CEO des Unternehmens, Philippe Merk, mit Bolero ueber die wirtschaftliche Situation der Uhrenbranche unterhalten.
Interview mit Philippe Merk, CEO von Audemars Piguet
Von Bruno Affentranger
CASH: Herr Merk, Sie präsentierten in Bahrain mit der «Royal Oak Offshore Grand Prix» eine neue Uhr und eröffnen einen neuen, grossen Shop am Golf. Der Uhren-Manufaktur aus Le Brassus scheint es besser zu gehen als noch letztes Jahr. Woher kommt Ihr Wagemut zur Investition?
Philippe Merk: Wir haben das letzte Krisenjahr gut überstanden, weil wir schnell reagiert haben. Einige schwierige Themen stehen noch an, aber wir sind zufrieden.
Das überrascht, denn letztes Jahr sind einige Märkte richtig gehend weggebrochen. Woher rührt Ihre Zufriedenheit?
In den letzten drei Monaten verzeichnen wir eine schnelle Zunahme der Nachfrage. Unsere Detaillisten hatten während der Krise ihre Lage ausgezeichnet geführt und die Versorgungskette der neuen, tatsächlich schlimmen Situation angepasst. Dadurch konnten wir in der Produktion ebenfalls Anpassungen vornehmen, ohne dass wir deswegen unsere wertvollen Arbeitskräfte - die Uhrenmacher, die Ingenieure - hätten entlassen müssen und also verloren hätten. Unsere Spezialisten mit ihrem Wissen sind an Bord geblieben. Nun hoffen wir, dass die Nachfrage, wie seit Januar gesehen, weiterhin anziehen wird.
Wer ist der Treiber für diese Erholung?
Ganz klar der chinesische Konsument, der im asiatischen Raum für Nachfrage sorgt. China ist der Motor dieses Aufschwungs in der Luxusindustrie. Ich hoffe, dass diese Entwicklung anhält.
Welche schwierigen Themen müssen Sie noch bereinigen?
Die im Arbeitsmarkt herrschende Verunsicherung hat für unser Geschäft negative Auswirkungen. Die schlechte psychologische Grundstimmung ist das grössere Gift als es ein kränkelnder Finanzsektor wäre. Die Beschäftigungslage in Westeuropa stellt für uns ein Risiko dar.
Warum das?
Weil in Zeiten der Jobunsicherheit die Menschen weniger Geld ausgeben. Das Kaufverhalten verändert sich, vor allem wenn es um Dinge geht, die man nicht unmittelbar haben muss und die man sich auch später leisten kann.
So gesehen müssten Sie ein vehementer Verfechter von hohen Boni in der Finanzbranche sein.
Rein pragmatisch gesehen, müsste ich dies bejahen. Leute, die gute Leistungen erbringen, müssen entsprechend kompensiert werden, nichts gegen diesen Mechanismus. Aber dennoch glaube ich, dass hier ein Umdenken stattfinden muss. Wir haben klare Übertreibungen gesehen. Für uns habe ich in diesem Zusammenhang keine Angst: Die Finanzbranche wird sich unsere Uhren auch mit einer veränderten Boni-Struktur noch leisten können. Die Freude an der Uhr ist wichtiger als die Höhe des Bonus'.
Welche offenen Themen existieren in Ihrem Unternehmen?
Wir sind ohne Schrammen durch die Krise gegangen und haben den Marktanteil sogar leicht verbessert.
In einem schrumpfenden Markt?
Exakt. Aber ich will hier keinesfalls negativ klingen. Dazu haben wir keinen Grund. Es mag für Sie erstaunlich klingen, aber wir können derzeit kaum mit der Nachfrage Schritt halten. Wobei ich dies vor allem auf unsere Lieferanten beziehe.
Sie machen den Anschein, als trauen Sie diesem Aufschwung nicht.
Ich hege in der Tat für den Markt Europa einige Zweifel. Mit den USA verbinde ich ein besseres Gefühl. Ich weiss nicht, ob derzeit wirklich alle Regionen zulegen, oder ob lediglich die Lager angepasst werden. Es könnte auch sein, dass jetzt alle ihre Lager auffüllen und die Nachfrage in erster Linie daher rührt. Die Gefahr ist vorhanden, dass der Stopp spätestens dann abrupt eintritt, wenn die Häuser voll sind.
Am selben Tag wie Sie präsentiert Ihr schärfster Konkurrent - Hublot - in Bahrain an der Saisoneröffnung seine offizielle Formel-1-Uhr. Ärgert es Sie, dass Monsieur Biver Ihnen die Show stiehlt?
Nein, keineswegs. Erstens stiehlt er mir nichts, zweitens sehe ich ihn nicht als meinen schärfsten Konkurrenten. Er versucht in einem Feld, auf dem wir bereits arriviert sind, eine ähnliche Kundschaft anzusprechen. Das ist legitim, und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.
Das klingt sehr freundlich.
Ich meine es genau so. Es ist das absolute Recht von jedem, diese Plattform Formel-1 zu benutzen. Wir wären nie so innovativ, wenn wir nicht immer wieder unter Druck wären. Das gilt übrigens für die ganze Schweizer Uhrenindustrie, die international und global ausgerichtet ist. Die Schweizer Firmen, seien das Swatch, Richemond, Patek, Breitling, Rolex oder wir, haben sich gut gehalten, auch weil wir uns gegenseitig immer wieder hochschaukeln.
Wir erleben nicht soeben eine Wiederholung der Geschichte?
Auf was sprechen Sie an?
Eine Wiederholung der Sechziger und Siebziger, als sich die Uhrenindustrie in Sicherheit wiegte und vor sich hin dämmerte, bevor sie böse erwachte.
Die Schweizer Uhrenindustrie hat heute an den weltweit produzierten Uhren per Stück einen Anteil der nicht höher als fünf bis zehn Prozent ist. Die Werte jedoch liegen bei sechzig Prozent. Das ist unsere Spezialität: Eine hohe Wertigkeit. Wir müssen aber aufpassen, dass wir die Entwicklungen nicht verschlafen.
An welche Entwicklung denken Sie besonders?
Ich nehme nicht an, dass Uhrenunternehmen eine Attacke in den grossen Luxusmarkt machen werden. Aber Luxustelefone, Luxus-Gadgets könnten möglicherweise in unsere Richtung wachsen. Die Historie jedoch gibt unserer Industrie eine nicht kopierbare Legitimation. Das handwerkliche Wissen und die Kunst der Uhrmacherei verbunden mit der Eleganz des Schmuckes verschaffen uns nicht einholbare Vorteile gegenüber hypothetischen, neuen Spielern im Markt.
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