Elie Saab liegt in der Luft

Nein

Acht Jahre Zeit und die Versuche von insgesamt 16 Parfümeuren brauchte es, bis der erste Duft des libanesischen Couturiers Elie Saab auf den Markt gebracht werden konnte. Bolero traf Elie Saab in Paris zum Interview.

Elie Saab (* 4. Juli 1964 in Beirut) fing mit 9 Jahren an zu schneidern. Zuerst für seine Schwestern, dann für Nachbarinnen und bald für die eleganten Frauen der Stadt Beirut. Sein Handwerk lernte er hauptsächlich autodidaktisch. Ein Jahr verbrachte er beim Modestudium in Paris. Mit 18 Jahren eröffnete Elie Saab sein Modehaus in Beirut und beschäftigte 15 Näherinnen. Bald war er der Lieblingsschneider der Society Arabiens und des Nahen Ostens. Seit dem Jahr 2000 schickt Elie Saab seine märchenhafte Haute Couture über den Laufsteg in Paris. 2002 nahm Halle Berry den Oscar in Elie Saab entgegen. Die Marke ist seither ein bevorzugtes Red-Carpet-Label der Stars. 2005 kam das Prêt-à-porter dazu. Seit 2006 ist Elie Saab korrspondierendes Mitglied der Chambre Syndicale de la Haute Couture in Paris. 2007 eröffnete er eine Boutique beim Rond Point des Champs Elysées. In der Schweiz ist seine Abendmode bei Gross Couture in Zürich zu haben. Seit diesem Jahr gibt es auch Schuhe und Taschen, sowie die erste Resort-Kollektion. Und den Duft «Elie Saab Le Parfum». Elie Saab lebt mit seiner Frau und drei Söhnen in Beirut, Paris und Genf.

Bolero: Monsieur Saab, weshalb dauerte es solange, um Ihren Duft zu lancieren?
Elie Saab: In der Tat fand ich unser Haus schon vor acht Jahren Reif für ein Parfum. In dieser Zeit habe ich es einige Male versucht. Ich fand jedoch nicht die richtigen Partner, um den Duft herauszubringen. Das hat das ganze Projekt so lange hinausgezögert. Wir sind von vielen Produzenten angegangen worden. Aber die Vorschläge, die man mir unterbreitet hat, haben nie dem entsprochen, was ich in meinem Herzen fühlte. Vor zwei Jahren hat die Zusammenarbeit mit BPI (Parfum-Division von Shiseido) begonnen. Und nun sind wir hier. Ich bin wirklich begeistert vom Resultat.

Weshalb dieser grosse Wunsch nach einem Parfum?
In einem Couturehaus ohne Parfum fehlt etwas. Ich sehe die Dinge gross und möchte schnell vorwärts kommen. Für mich war immer klar, dass ein Parfum unser Haus komplettieren muss.


Backstage Elie Saab Prêt-à-Porter Défilée Paris Herbst/Winter 2011/12

Wie gingen Sie vor, als der Entschluss stand, einen Duft herauszubringen?
Wir wollten kein Marketingprodukt. Wir wollten einen Duft, der mit viel Herz kreiert und präsentiert wird. Wir wollen jemanden, der sich um unsere Produkte kümmert und sie pflegt. Wir brauchten Leute, die die Dinge gleich sahen wie wir. Das ist mit BPI gelungen. Wir sind happy.

Was von Ihnen steckt in diesem Duft? Sind Gerüche darin, die Sie besonders mögen?
Ja. Orangenblüten und Jasmin sind die Düfte meiner Kindheit. Das Haus in dem ich aufgewachsen bin, war von davon umgeben. Ich denke, ich habe diesem Parfum etwas von meiner Welt gegeben. Und von der Frau, die ich präsentiere, die in meinem Geist lebt. Es ist eine feminine, warmherzige Frau. Ich liebe diesen Frauentyp.

Was haben Sie für eine Beziehung mit Parfums im Allgemeinen?
Ich liebe Parfum. Es ist zuerst ein sehr persönliches Produkt. Sehr nützlich und sehr notwendig im Leben.

Tragen Sie selbst Parfum?
Natürlich.


Backstage Elie Saab Prêt-à-Porter Herbst/Winter 2011/12 mit dem Schweizer Topmodel Julia Saner (r.).

Welches war der erste Duft, den Sie gerochen haben?
Ich erinnere mich daran, welche Düfte meine Eltern getragen haben. Aber das sitzt nicht so sehr in meinem Kopf fest, dass ich jetzt darum herum einen Duft hätte erarbeiten lassen. Ich habe da keine Obsessionen.

Haben Sie sich von Parfümeur Francis Kurkdjian führen lassen?
Wir haben BPI gebrieft und erst als der Duft fertig war, haben wir Francis getroffen. Unsere Wahl fiel auf seinen Vorschlag. Das geschah anonym. Wir haben nicht eine Nase sondern einen Duft gewählt.

Was hat den Ausschlag gegeben für die Wahl?
Die Wärme, die in dem Duft ist. Mein Briefing kann sehr leicht als naiv interpretiert werden. Francis hat einen richtigen Effort gemacht, um dem Duft Tiefe zu geben. Und Wärme, die so wichtig ist für mich. Er ist weiter gegangen, als alle anderen, um wirklich das zu finden, was ich wollte.

Orangenblüte, Jasmin, Rosenhonig, Zedernholz sind die Zutaten des Duftes. Sonst noch ein Geheimnis?
Die Zeder aus dem Libanon macht, dass es nicht einfach ein blumiges Parfum ist, sondern ein moderner Duft.


Emma Watson (l.) verzaubert an der Harry Potter After-Party in London mit einem kurzen Glitzer-Kleid von Elie Saab Haute Couture. Céline Dion (r.) trägt bei einem Konzert in Las Vegas eine Robe von Elie Saab Haute Couture.


Nicole Kidman (l.) trägt ein Kleid aus der neuen Elie Saab Resort 2012 Kollektion zu einer Spezialvorführung von «Snow Flower and the secret fan» in Tribeca Grand Hotel in New York. Sarah Jessica Parker (r.) in Elie Saab Haute Couture an einer Lancierung in Shanghai.

Sie arbeiten sehr eng mit ihrer Frau zusammen. War sie ins Parfumprojekt eingebunden?
Natürlich. Sie trägt «Le Parfum» schon seit einem Jahr. Und ich lebe damit. Ich reagiere sehr sensibel auf Gerüche. Sie können bei mir Übelkeit auslösen. Oder Kopfschmerzen. Je nach dem kann ein Duft meinen Tag zerstören. An meiner Frau habe ich die Versuche zu «Le Parfum» gerochen und gemerkt, was geändert werden musste. Der Duft hat sich an und mit meiner Frau entwickelt. Sie hat mich jedoch nicht beeinflusst. Wenn man tagtäglich mit einem Duft lebt, nimmt man sehr viele Dinge wahr. Wie er sich verändert und eben auch, was verändert werden muss.

Haben Sie es auch auf sich ausprobiert? Im Orient gibt es ja eine andere Duftkultur. Es wird weniger ein Unterschied zwischen Frauen und Männerdüften gemacht. Und Parfums, die in Europa als Frauendüfte gelten, werden dort auch von Männern getragen...
Das sehe ich nicht ganz so. ich finde, es gibt in der Kultur allgemein Dinge, die für Frauen sind und Dinge, die für Männer sind. Ausser Oud (orientalische Holznote), das kann von beiden getragen werden. Ich mag es nicht, wenn man sein Parfum weiterreicht, oder teilt. Das finde ich nicht chic. Also, nein, ich habe unser Parfum nicht auf meiner Haut getestet.

Als Modemacher ist das Visuelle sehr wichtig für Sie. Können Sie mir erzählen wie Sie die Verpackung und den Flakon sowie die Kampagne entworfen haben?
Pudertöne sind meine Farben. Ich habe einen Quadratschädel (lacht), deshalb gefällt mir die Flasche mit ihren quadratischen Formen sehr gut.

Heisst das, sie denken eher wie ein Architekt? Ihre ultrafeminine Mode macht nicht diesen Eindruck.
Meine Vision ist es, nicht nur Kleider zu machen, sondern mich in diversen Bereichen auszudrücken. Wir gestalten viele Dinge, auch Hotels und Schiffe. Wenn ich eine Flasche entwickle, zeichne ich sie deshalb wie eine Flasche und nicht wie eine Robe. Und wenn ich Mode entwerfe, denke ich zuerst an die Form der Frauen, an Ihre Schönheit und an die Weiblichkeit der Dinge.


Elie Saab in seinem Atelier (l.). Flagshipstore in Beirut (r.).


Der Designer trapiert seine Entwürfe direkt auf Schneiderbüsten.


Hommage ans Licht des Mittelmeeres: Elie Saab «Le Parfum» mit Orangenblüten.

Stimmt es, dass die Flasche vor dem Duft fertig war?
Ja, ich hatte seit Jahren ein Objekt vor Augen, das am Anfang der gesamten Duft-Idee stand. Durch dieses Objekt fand ich die Form des Flakons.

Was war dieses Objekt?
Eine Schlüsselablage aus Kristall, durch die ganz viel Licht scheint.

Die Werbekampagne zeigt mit Anja Rubik eine blonde Frau. Man hätte eher eine brünette mediterrane Schönheit erwartet?
Ich bin Libanese. Wir sind ein sehr kosmopolitisches Volk. Ich bin viel mehr mediterran denn arabisch. Anja Rubik habe ich ausgesucht, weil sie eine wirklich globale Frau darstellt. Sie ist Polin, sieht aber überhaupt nicht osteuropäisch aus, sondern sehr kosmopolitisch. Sie ist weder eine osteuropäische, noch eine arabische oder amerikanische Schönheit. Sie entspricht vielen Schönheitsidealen und sie repräsentiert die Frau, die wir uns vorstellen am besten.


Die schöne Polin Anja Rubik ist das Gesicht der Duftkampagne. Auf dem Laufsteg Haute Couture Herbst/Winter 2011/12 (l.), Backstage Prêt-à-Porter Herbst/Winter 2011/12 (r.).


Skizze des Kleides aus Seidenmousseline, das Anja Rubik in der Parfum-Werbung trägt.

Früher waren Elie Saabs Kreationen gleichbedeutend mit Cocktail- und Abendroben. Die Elie-Saab-Frau schien nichts anderes zu tun, als sich für grosse Anlässe exquisit zu kleiden. Heute gibt es auch bei Elie Saab die Frau die arbeitet, die reist...
Ja, ich habe Lust, Tagesmode zu machen und Accessoire. Ich will im Prêt-à-porter verankert sein. In den ersten Jahren, in denen wir unsere Mode während der Prêt-à-porter-Woche in Paris zeigten, hatten wir nur Abendkleider. Das machen wir heute anders. Wir hören sehr genau, was die Frauen wollen. Wir haben eine enorme Nachfrage danach von Seiten der Frauen gespürt. Daraus haben wir unseren Tagesmode-Stil entwickelt.


Models Backstage an der Prêt-à-Porter Show Herbst/Winter 2011/12.


Neue Schuhe- und Handtaschen aus der neuen Accessoires-Linie Herbst/Winter 2011/12.


Premieren-Bühne frei für rot: Die erste Elie Saab Resort Kollektion 2012

Hat das auch Ihre Abendmode beeinflusst?
Nein. Für den Abend machen wir nach wie vor Haute Couture. Diese Welt ist sehr verschieden von der Welt des Prêt-à-porter. Ich glaube nicht, dass man Haute Couture für den Tag machen kann. Am Tag braucht es einfach zu tragende Prêt-à-porter-Kleider.


Grande Finale: Das Brautkleid der Elie Saab Haute Couture Herbst/Winter 2011/12-Show in Paris. Als Entwurf (l.) und im Original (r.).

Hat sich Ihre Kundschaft verändert mit der Einführung der Tagesmode?
Ja, wir haben jetzt Frauen, die explizit wegen der Tagesmode kommen. Sie haben vorher nicht bei uns gekauft. Es war nicht ihr Stil. Mit der Entwicklung unserer Marke, sehen wir auch eine neue Kundschaft.

Welches sind Ihre Pläne für das Haus Elie Saab?
Wir befinden uns in einer intensiven Entwicklungsphase. Wir entwickeln Märkte, wie Russland, China, Amerika. Die USA sind jetzt schon unser wichtigster Markt, neben Europa natürlich.


«Le Parfum» von Elie Saab ist ab sofort im Fachhandel erhätlich (30ml ca. CHF 75 / 50ml ca. CHF 122 / 90ml ca. CHF 150 ).

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