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Die wahren Facebook-Gründer

Cameron und Tyler Winklevoss Brüder
Nein

Und wieder eine Niederlage - Die Zwillingsbrüder Cameron und Tyler Winklevoss sind die prominentesten Verlierer am berühmten Bootsrennen Cambridge gegen Oxford. Am Ostersamstag sind die wahrscheinlich wahren Erfinder des sozialen Netzwerks wieder einmal Zweite geworden.

Facebook könnte heute ConnectU heissen. Statt Mark Zuckerberg wären die 28 Jahre alten Cameron und Tyler Winklevoss Milliardäre. Und - dies nur nebenbei - hätte der Oxford-Ruderachter mit den Zwillingen an Bord am letzten Samstag das legendäre Rennen auf der Themse gewonnen, es würde neu nur 79 zu 76 für Cambridge stehen in der ewigen Rangliste dieses englischen Universitätswettkampfes.

Ein bisschen viel könnte, wäre, hätte und würde. Die Realität schert sich selten um den Konjunktiv und sieht anders aus. Am letzten Samstag hätte die Sonne scheinen müssen - in Tat und Wahrheit war es kalt und grau, und der Publikumsaufmarsch zwischen der Putney Bridge als Start und der Chiswick Bridge als Ziel hielt sich in Grenzen. Facebook, Zuckerberg, Cambridge heissen die Sieger in der Realität. Bis auf weiteres.

Vor acht Jahren, als sie noch in Harvard studierten, hatten die Winklevoss-Zwillinge die Idee. Sie wollten im Internet eine Site starten, die Studenten als soziales Netzwerk dienen sollte, ConnectU. Benutzer sollten die Möglichkeiten haben, andere Nutzer einzuladen und mit ihnen private Dinge zu teilen. Die beiden ambitionierten US-Ruderer und Ökonomen hatten jedoch selber nur wenig Zeit, ihr Unternehmen zu entwickeln, und so heuerten sie eine dritte Person an, die ihre Vorstellung verwirklichen sollte. Mark Zuckerberg kam an Bord. Er programmierte, tat dies drei Monate lang, ging und machte sich stattdessen an sein eigenes Vorhaben: Facebook. Heute tummeln sich mehr als 400 Millionen Menschen auf der Plattform und finden in Gruppen und Themengebieten zu anderen und immer mehr Freunden. Monatlich werden rund eine Milliarde Bilder und mehr als zehn Millionen Videos auf die Plattform geladen. Zwar hat Facebook bisher nicht nachweisen können, dass es ein tragfähiges Geschäftsmodell sein könnte, und das Unternehmen verliert wahrscheinlich trotz den bisher eingeschossenen 740 Millionen Dollar an Kapital immer noch Geld. Aber das Unternehmen ist inzwischen zwischen 2 und 15 Milliarden Dollar wert, je nach Einschätzung und Richtgrösse. Nimmt man den von Microsoft bezahlten Einstiegspreis von 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent an der Firma als Richtwert, so wiegt Facebook heute 15 Milliarden Dollar. Rechnet man die 200 Millionen Dollar der russischen Digital Sky Technologies für 1,96 Prozent hoch, so kommt man auf zehn Milliarden Dollar. Nur eines ist sicher: Facebook wächst und wächst, ConnectU gibt es schon lange nicht mehr.

Ende 2004 zogen die Winklevoss-Twins in den USA gegen Zuckerberg vor Gericht. Dieser bestritt die Vorwürfe der Nutzung des einst gemeinsam entwickelten Quellcodes, was gewissermassen das Herz ein jeder Internetfirma ist. Man fand sich aussergerichtlich, wie dies in den USA oft der Fall ist. Am Ende zahlte das Unternehmen den Zwillingen Werte in der Höhe von 65 Millionen Dollar. Das sei nicht mehr als eine Spende und beileibe nicht eine Kompensation in der korrekten Höhe, fanden die Winklevoss. Gemäss ihren Angaben sind bis heute die Verhandlungen im Gang, die den richtigen Wert des Unternehmens und damit auch der Kompensationen festlegen sollen. Gefunden habe man sich noch nicht, sagen die Zwillinge. Auf ihren Anteil würden sie noch warten. Genauso, wie auf den Sieg auf dem Wasser.

In London auf der Themse gingen sie geschlagen aus dem Rennen. Die Erfahrung, nach Olympischen Spielen nun auch mal im härtesten Universitätsrennen ihres Sportes teilgenommen zu haben, sei ihnen viel wert, sagten die beiden zwar, die derzeit ein MBA in der Eliteschmiede von Oxford absolvieren. Sie machten aber auch kein Geheimnis draus: Lieber hätten sie natürlich gewonnen. Im favorisierten und von den Namen her besser besetzten Oxford-Achter hatten sie am vergangenen Samstag über 4,25 Meilen um eine Bootslänge das Nachsehen gehabt. Nach einer Führung zur Rennhälfte, war es zum Schluss eine klare Sache.

Und dennoch. An der reizend britischen, feucht-fröhlichen Party der Sieger aus Cambridge, die in einem Londoner Club bis in den Morgen dauerte, waren die beiden US-Ruderer immer wieder Adressaten von bewundernden Kommentaren. Die Cambridge-Athleten, allen voran der Teamcaptain, zollten den abwesenden Winklevoss' viel Respekt, den Ruderern wie auch den Erfindern in ihnen. Was Wunder, denn auch wenn es dereinst nicht Milliarden sein sollten, ein paar Millionen sind diesen illustren beiden Verlierern schon sicher.

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