«Ich mag diese Art von Werbewelt nicht». Comme des Garçons lanciert ein neues Parfum mit einem Kunstfilm statt einem Werbespot.
London, Prince Charles Kino. Premiere von «Wonderwood», ein Kurzfilm der Quay Brothers.

Bild: Innenansicht Prince Charles Cinema
Eigenartiges spielt sich auf der Leinwand ab. Befindet man sich in der Höhle eines Koboldes? Man taucht ins Unterholz ein, dorthin, wo Tannzapfensamen keimen, wo Wurzeln wachsen... (Den Film finden Sie am Ende dieses Textes.)
«Es geht um jemanden, der Holz mehr liebt als Worte beschreiben können», erklärt Comme-des-Garçons-Präsident Adrian Joffe das Geschehen.

Bild: Adrien Joffe, Comme des Garçons Präsident
Seit 2009 existiert die Zusammenarbeit zwischen dem Künstlerduo Quay Brothers und dem japanisch-französischen Modehaus. Die eineiigen Zwillinge Stephen und Timothy Quay aus Pennsylvania leben seit über 40 Jahren in London. Sie stellen mit aufwändigen Verfahren verstörende Animationsfilme her, u.a. zu Arbeiten von Schriftstellern wie Franz Kafka und Robert Walser.

Bild: Künstler-Zwillinge Stephen und Timothy Quay
Während einem Jahr hatten sie Designerin Rei Kawakubo ihr gesamtes Werk überlassen, damit diese es für eine Art cinematographische Mailings für ihr Label nutzen konnte. Jetzt ist es umgekehrt, Comme des Garçons gab den Kunstfilmemachern Carte Blanche für die Inszenierung des neuen Eau de Toilette «Wonderwood».
«Man sieht das Produkt nicht, man soll es durch das Betrachten des Animationsfilms förmlich riechen können» (für den Film bitte runterscrollen), fährt Adrian Joffe fort und ergänzt: «Ich mag es nicht, wenn eine Frau am Strand spaziert und dann wird die Flasche eingeblendet. Ich mag diese Art Werbewelt nicht» Mehr als 20 Parfumprojekte hat die Marke realisiert, seit sie vor 16 Jahren diesen kommerzielleren Bereich betrat. Joffe erklärt die Duftkonzepte so: «Wir erfinden Parfums, die für einen selbst sind und nicht, um damit andere zu verführen. Ich kümmere mich in Paris um die Düfte, das Design und die Visuals dazu entstehen bei Rei in Tokio. Die Beziehung zwischen dem Duft und seiner Visualität sind uns sehr wichtig.»

Bild: Antoine Lie, Parfümeur
Das liesse vermuten, «Wonderwood» käme in einer Holzflasche daher, liest sich seine Rezeptur doch folgendermassen: Eine Überdosis Holznoten (Adlerholz, Zedernholz, Sandelholz, Zypressenholz, Gajac-Holz), ergänzt durch synthetische Holzkompositionen (wood gone mad), dazu Pfeffer, Kümmel, Muskatnuss, eine Prise Patschuli, Vetiver und Weihrauch und noch ein Schuss Bergamotte. Doch nein, Holz existiert im Verpackungsdesign nur als Fotodruck auf der Kartonschachtel.

Bild: Christian Astuguevieille, Verpackungsdesigner
.jpg)
Bild: «Wonderwood Filmplakat»
Adrian Joffe: «Rei setzt nie eine Idee bis zur logischen Konsequenz um. Das wäre zu offensichtlich. Das Resultat muss immer das Denken anregen. Für Rei liegt Schönheit im Unperfekten und Unausgeglichenen. Da ist nichts, wofür wir uns schämen müssten. In unserem Unternehmen schreibt niemand vor, wie wir mit den Düften ein Geschäft machen müssen. Wir gehen keine Kompromisse ein. Wir können und wollen nicht anders arbeiten.» Adrian Joffe und Rei Kawakubo sind seit 19 Jahren verheiratet und leben eine interkontinentale Ehe. Sie ist viermal pro Jahr in Paris, er reist einmal pro Monat nach Tokio. Die meisten Comme-des-Garçons-Parfums entstehen in Eigenregie. Vier Düfte, darunter das neue «Wonderwood», sind in Kooperation mit der spanischen Puig-Gruppe lanciert worden.

Bild: «Wonderwood» Lancierungs-Dinner in London
Sie können Comme des Garçons «Wonderwood» in der grossen Bolero-Jubiläums-Sommerverlosung gewinnen >>.

Comme des Garçons «Wonderwood» ist ab Juli im Fachhandel und bei Globus erhältlich.
weitere News: