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Jenson Button und TAG Heuer
Gleich drei schöne Stories hatte Jean-Christoph Babin, der CEO von TAG Heuer, am 27. April in La Chaux-de-Fonds für den angereisten Chronisten von BOLERO und BOLEROMEN zu berichten. Eine besser als die andere.
In der ersten macht der CEO ganz auf britischen Stil. Seinem Unternehmen, der Uhren-Manufaktur für die hochpreisigen Modelle, ist ein Volltreffer gelungen. Dass TAG Heuer vor einiger Zeit auf das Formel-1-Team von McLaren-Mercedes gesetzt hat, erweist sich nun als Glücksfall. So hat Babin als Markenbotschafter gleich die Weltmeister der letzten beiden Rennsaisons unter Vertrag: Jenson Button und Lewis Hamilton, beides Briten, beide auch im aktuellen Championat extrem erfolgreich und prägend. Jenson Button für nach vier Rennen und Siegen in Australien und in China die Rangliste der Fahrer an, McLaren-Mercedes steht an der Spitze der Werkstabelle. Gestern nun stattete der sympathische Jenson Button, 30-jährig und kleiner, als man es erwarten würde, der Manufaktur in La Chaux-de-Fonds erstmals einen Besuch ab und liess sich von Babin selber die Geheimnisse und die Schönheiten des Hauses erklären. Button, der von sich selber sagt, dass er ein "Perfektionist" sei, "der stets den optimalen Fahrweg sucht", stellte einige Parallelen zwischen seiner Arbeit und jener eines Uhrmachers fest. Verlässlichkeit, Konstanz und eine an Pedanterie grenzende Genauigkeit würden beide Welten auszeichnen - da haben sich zwei Brüder im Geiste gefunden.
Babin ist hernach in seiner zweiten Geschichte thematisch abgeschweift und global geworden. Am 19. Mai, so haben wir erfahren, ist TAG Heuer zu Gast im indischen Jaipur. Nicht bei irgendjemandem, sondern beim bereits etwas älteren Maharadscha himself. Seine Exzellenz, das adelige Gewissen Indiens gewissermassen, hat Babins Tross um die Welt eingeladen und öffnet zu diesem Anlass seinen Palast, was nur selten geschieht und als Ehre verbucht werden darf. Tags zuvor gastiert die Karawane von TAG Heuer auf ihrer gegenwärtigen Weltreise in Delhi. Ziemlich viel hat sich das Haus hier vorgenommen. Mit einem Tesla Roadster, einem zu hundert Prozent elektrisch angetriebenen Sportwagen, will die Uhrenfirma die Welt umrunden. Inzwischen ist das von der Messe in Basel gestartete Gefährt in Moskau eingetroffen, wo Jean-Christophe Babin heute Abend einen Empfang geben wird. Die Destinationen Moskau, Delhi, wahrscheinlich China und sicherlich die USA wird er sich nicht entgehen lassen dürfen, angesichts der Marktanteile seines Hauses in diesen jeweiligen Märkten.
Womit ein nahtloser Übergang zur dritten Story gemacht wäre: Babin hat gestern ein skurriles Fact offen gelegt. Wer die Weltkarte betrachte und die Nummern Eins in den Luxusuhrenmärkten untersuche, der sehe, dass eine globale Zweiteilung stattgefunden habe. Sozusagen die Rückkehr zum bipolaren System, das nach dem Niedergang des Ostblocks überwunden geglaubt war. Ganz so einschneidend ist das Bild natürlich nicht, aber dennoch eine neckische Neuigkeit. Der Norden ist dominiert durch Rolex, der Süden durch TAG Heuer. Der Äquator darf als Grenze angesehen werden, plus, minus. Länder wir Brasilien, Südafrika, Indonesien oder Teile Indiens sind den Uhrenmachern aus La Chaux-de-Fonds zuzuschlagen, während Deutschland, die USA und Russland beispielsweise Rolex "gehören". Diese Zweiteilung erinnert an die Teilung der entdeckten und der unentdeckten Territorien im Westen durch die Königreiche Portugal und Spanien im Vertrag von Tordesillas von 1494. Damals hielten sich die in dieser Zeit mächtigsten Herrscherhäuser der Welt gegenseitig die an Ressourcen reichen Gebiete in Südamerika zu. Sie schafften damit und mit einigen Vertrags-Nachbesserungen die heute noch existierenden Grenzen zwischen portugiesischer und spanischer Sprachterritorien. Brasiliens und Argentiniens Sprachbarrieren rühren zu einem schönen Teil daher. Ganz so bedeutungsschwer möchte Babin die Uhrenweltteilung nicht sehen, nimmt dem selber entdeckten Phänomen mit einem lockeren Spruch die Wichtigkeit: Der Norden sei der wesentlich potentere Markt derzeit, sagt er. Um dann nachzuschieben: Aber der Süden TAG Heuers wachse schnell.