14. Apr 2018

TEXT VON

Richard Widmer

FOTOGRAFIEN VON

© Backstage Bilder von Benoit Peverelli

Auf die leichte Schulter

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Eine nicht wegzudenkende Taschenikone wird jede Saison neu erfunden: ob klein, übergross, aus Stoff oder gar Plastik.

Es gibt Erinnerungen an Modeaccessoires, die uns von Kindesbeinen an begleiten. Wie die schwarze, gesteppte Tasche 2.55 mit goldfarbener Kette von Chanel. Der schlichte Name rührt vom Monat und Jahr ihrer Lancierung her, Februar 1955. Dreiundsechzig Jahre später ist der Klassiker immer noch aktuell. Jede Saison erscheint das Modell in einem neuen Gewand, diesen Frühling wird die Vielfalt mit grafisch bedruckten Stoffen, Lurex-Tweed, Strick, Pailletten und gestepptem Denim bereichert. Bis heute werden die Taschen nahe Paris von Hand gefertigt.

Backstage an der SS18 Show von Chanel.

Inspiration fand Coco Chanel, wie  bei vielen ihrer Klassiker, in Alltagsgegenständen, Objekten aus der Männerdomäne oder der Welt des Sports. Auf dem Pferderücken genoss sie die Freihändigkeit, auf der Rennbahn trug sie ein Fernglas um den Hals. Also warum keine Kette an der Handtasche befestigen? Die Geburtsstunde der Schulter­tasche für Frauen – und ein Befreiungsschlag! Unzählige Bilder zeigen die Französin in lässiger Pose mit Händen in den Taschen und Fluppe im Mund.

Ibeyi Lisa Kainde und Naomi Diaz mit der 2.55.

Praktisch veranlagt wie Chanel war, ist das Innen- wie Aussenleben klug durchdacht. Der äusseren Rhomben-Steppung liegt die Reiterjacke mit Cordkragen zugrunde. Somit erhält die Tasche Volumen und ist trotzdem weich und stabil. Um den Inhalt besser zu erkennen, wählte die Designerin ein granatfarbenes Innenfutter. Eingearbeitet sind sieben Fächer für Papiere, Visitenkarten und Lippenstift, dazu eines mit Reissverschluss. Das abgerunde­te Fach an der Rückseite der Tasche trägt den Spitznamen «Das Lächeln der Mona Lisa». Der rechteckige Metallverschluss mit drehbarem Riegel – seiner Erfinderin zu Ehren Mademoiselle genannt – wurde in den Achtzigern mit der Variante der verschlungenen Doppel-C ergänzt. Clever, Chanel!