30. Sep 2016

TEXT VON

Leoni Hof

Aus der Bahn

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Inspiriert hat sie die Begegnung mit einem jungen Obdachlosen, den sie in Zürich traf. Diese 15 Minuten verarbeitete die Schriftstellerin Linda Solanki zu ihrem zweiten Roman «Verdammter Paul» (Zytglogge). Im Buch geht es um Sebastian, der auf der Strasse lebt. Was nicht sein einziges Problem ist, ihn plagt ein Ohrwurm, eine akustische Halluzination. Ständig hört er «Hey Jude» von den Beatles. Seit seiner Kindheit leidet er unter Schizophrenie, aber Sebastian will nicht in die Psychiatrie. Also verlässt er seine Mutter, um unter den Obdachlosen seinen Platz zu finden. Am Rand der Gesellschaft, zu der er nie wirklich gehört zu haben scheint. Traut man Sebastians Erzählungen. Der Kniff des Buchs besteht darin, dass man als Leser nie sicher sein kann, welche Sicht auf die Welt man gerade vor sich hat. Ist diese wirklich real oder geprägt von der psychischen Erkrankung des Protagonisten. Die 26-jährige Solanki schreibt unsentimental über Themen wie Psychosen, das Erwachsenwerden, Obdachlosigkeit, Sucht und die Sehnsucht nach Liebe. Das liest sich gut weg, ein Roman ohne Schwächen ist «Verdammter Paul» aber nicht, da ist noch Luft nach oben. Man darf gespannt sein, was von der Autorin in Zukunft kommt. 

Linda Solanki, «Verdammter Paul», Zytglogge Verlag.