10. Jun 2020

TEXT VON

Leoni Hof

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Machen Sie die Ohren auf

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Warum die Black-Lives-Matter-Bewegung eine des Zuhörens ist. Inklusive Playlist.

We are all in this together. Nie zuvor hat sich dieser Satz so wahr angefühlt. Dachte ich heute morgen unter der Dusche. In diesem halbwachen Zustand, in dem einem mittelschlaue Gedanken sehr smart erscheinen. Während ich mir den Kopf einschäumte, sinnierte ich über das Boot, in dem wir gerade alle sitzen. Über den «One world»-Gedanken. Weltweit sind wir geeint durch unsere Sorge ums Klima, grenzübergreifend in Schockstarre wegen eines Virus` und die Wut über den gewaltsamen Tod George Floyds, über den alltäglichen Rassismus schwappt von den USA über in Städte wie Berlin, London und Zürich.

George Floyd protests in Uptown Charlotte, 5/30/2020 (IG: @clay.banks).
Proteste in Uptown Charlotte, Ende Mai 2020.

Black Lives Matter steht auf den Plakaten und hinter Hashtags, die Menschen demonstrieren gegen Rassismus und kommen sich dabei das erste Mal seit Monaten wieder mal so richtig nah. We are all in this together. Dieser Satz hallte in mir nach, als ich zum Kaltwasser wechselte. Was gut ist für den Kreislauf und für ein waches Hirn. Denn mit den eisigen Wassserstrahlen wurde mir bewusst, dass das totaler Schwachsinn ist.

«Man ist nicht so antirassistisch, wie man meint, wenn man Onkel Horst beim Familienessen Hetzreden schwingen lässt.»

Vielleicht eint mich mit vielen anderen die Überzeugung, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat. Black Lives Matter, na klar! Nur musste ich für meine Rechte nie wirklich kämpfen. Und nur weil ich ignorierte, dass es auch in meinem – ach so offenen – Umfeld Rassismus gibt, heisst das nicht, dass der nicht existiert. Tut er nämlich. In mir, in dir. Mit meiner Instagram-Bekannten Shirin (_thismodernmuse) unterhielt ich mich kurz darauf über ihre Erfahrungen als BPOC. Sie schreibt unter einem ihrer Posts: «Love sees no color they say. But I disagree. Love sees color and without prejudice acknowledges it for what it is.» Und damit brachte sie mein so komfortabel installiertes «Ich sehe keine Hautfarbe» zum Einsturz.

Protestplakat in Atlanta, USA.
Protestplakat in Atlanta, USA.

Nervt sie das, wenn nun jeder von ihr eine Meinung zu Rassismus und Diversität will? Shirin sagt: «Mich nervt, dass Leute nun von mir die Absolution wollen, sie seien nicht rassistisch. Anders gesagt: Man ist nicht so antirassistisch, wie man meint, wenn man Onkel Horst beim Familienessen Hetzreden schwingen lässt.» In den vergangenen Tagen wurden viele Bücher, Gedanken, Podcasts und Filme geteilt, um sich fürs Thema Rassismus zu sensibilisieren. Es heisst vielerorts, dies sei der Moment zum Zuhören und Lernen. Oder der für eine kalte Dusche, die manch gemütliche Gewissheit davonbraust und die man als weisser Mensch über sich ergehen lassen muss. Es ist an der Zeit.

Und diese Zeit tönt vielleicht so: