06. Dec 2016

TEXT VON

Bolero

FOTOGRAFIEN VON

Imaxtree, Backstage Mary Katrantzou

Die Redaktion testet: Matte Lippenstifte

  • Share

 
Kiss me quickly – oder auch gerne länger, je nachdem, wie der Lippenstift hält. Das Bolero Team hat drei Neuheiten aus dem Luxussegment getestet – und schwärmt nun von äusseren und inneren Werten.

Chanel
«Rouge Allure Velvet 56 Rouge Chanel», Fr. 48.–
rouge-allure-velvet-mattierender-lippenstift-mit-hoher-farbintensitaet-56-rouge-charnel-35g.3145891625608
Das klassische Design der Chanel-Lippenstifte ist unschlagbar. Es gibt schlicht keine schönere Verpackung. Allein dieser Klick, mit dem der goldene Stift aus der schwarzen Hülle kommt, auf der in schlichtem Weiss das Logo steht… weniger ist eben meistens mehr. Kann aber auch der Inhalt überzeugen? ​Tatsächlich lässt sich die Farbe gut auftragen. Und das trotz trockener Lippen, hallo Kälteeinbruch. Die Farbe pflegt und legt sich sattmatt auf den Kussmund. Nach der Hälfte des Tages ist die Farbe nicht mehr ganz so intensiv. Klickklick, allein dieses akustische Detail macht das Auffrischen zum kurzen Glamour-Moment.  
Leoni Hof, Kulturredakteurin

 

Lancôme
«L’Absolu Rouge Matte 189 Isabella», Fr. 45.–

5836915_001
Es gibt kaum einen Tag ohne. Meistens trage ich Rot in allen Nuancen, mal kräftiger, mal etwas dezenter. Aber ohne Farbtupfer gehe ich kaum aus dem Haus. Ich durfte «Isabella», eine matte, knallige Lippenfarbe ausprobieren, die schon ein wenig in Richtung Pink geht. Zugegeben, ein etwas unbekannteres Terrain. Poppt auf jeden Fall ganz schön und zaubert mir in Sekunden ein kräftiges «Hallo-hier-bin-ich» ins Gesicht. Die fast schon pomadige Textur ist zwar sehr angenehm auf den Lippen, es braucht aber etwas Geschick, die knallige Farbe schön gleichmässig aufzutragen. Schön verpackt macht «Isabella» auch in meiner Handtasche eine gute Figur und ist ein schicker Begleiter –  an  den leichten Eighties-Touch muss ich mich aber noch ein wenig gewöhnen.
Kathrin Bänziger, Grafikerin Bolero

 

Dior
«Rouge Dior 999 Matte», Fr. 52.–
covers-Y0027830_F002784999
Es ist ein Kampf David gegen Goliath – der Dior-Lippenstift muss gegen einen matten Lippenstift eines günstigen Labels, auf den ich seit drei Jahren schwöre, antreten. Also ist der Kosmetik-Gigant Dior in dieser Situation David, denn mein Zwölf-Franken-Goliath ist leicht aufzutragen und hält ewig, auch nach Essen und Trinken und moderatem Küssen. Immerhin, der David in dieser Geschichte hat sicherlich einen optischen Vorteil: Er ist elegant und liegt wie ein Schmuckstück in der Hand, auch geöffnet überzeugt der matte Stick in einem anmutigen Farbton und mit dem darin eingeprägtem Dior-Schriftzug. Mein Herz öffnet sich schon ein wenig dem Aussenseiter. Das erste Mal auftragen überrascht und überfordert ein wenig: die Konsistenz ist viel cremiger, als ich erwartet hätte. Von Goliath bin ich ein Pinselschwämmchen gewohnt, welches mich die Farbe präzise auftragen lässt, mit einem klassischen Lippenstift muss ich das erst wieder üben. Dann, der erste Vorteil von Davids inneren Werten: Die Lippen trocknen unter der matten Textur weniger aus und das Rot hält sogar noch einen Tick länger. Auf Augenhöhe mit seinem Mitstreiter gerät der Dior-Stift, als eine Gruppe stilbewusster schwuler Freunde mein Outfit lobt und den Lippenstift als Krönung bezeichnet, und er sich am Abend ohne Rückstände abschminken lässt. Dies ist eine Geschichte mit einem Happy End: David und Goliath wohnen nun zufrieden zusammen in meiner Handtasche.
Priska Hofmann, Managing Editor & Head of Digital