19. Jun 2020

TEXT VON

Leoni Hof

FOTOGRAFIEN VON

Filmstill aus «Madeline’s Madeline»

Diese Filme sollten Sie endlich sehen

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Die Macher des Streamingdienstes Mubi sind Schatzsucher. Sie finden für uns kostbare Filmperlen. Diese Filme sind unsere aktuellen Favoriten.

Wir leben in einer Zeit des Überflusses. Von allem gibt es viel. Das fängt an bei den unzähligen Joghurtsorten im Kühlregal. Und hört auf bei dem, was man abends noch machen könnte. Gehen wir auf diese Vernissage oder in jenes Restaurant? Der Lockdown sitzt uns noch in den Knochen. Er setzte der Wirtschaft und dem sozialen Miteinander zu. Und doch liess er uns auch verschnaufen. Es gab nichts zu tun, nirgends hinzugehen. Es gab sie nicht, die Qual der Wahl.

Die Qual der Wahl

«Paradox of Choice» nennt man das Phänomen. Wir sind schlicht überfordert, wenn die Auswahl zu gross ist. Wie lange dauert es bei Ihnen, bis Sie sich für einen der Filme bei Netflix entscheiden? Zappen Sie sich auch oft durch zig Trailer bis Ihnen die Augen zufallen? Die Macher der Streaming-Plattform Mubi erkannten das Problem. Hier geht jeden Tag ein Film online. 30 Tage hat man Zeit, ihn anzusehen.

Experten wählen für Sie aus

Das wirklich Zeitgemässe des Dienstes: Die Auswahl der Filme wird von Filmemachern, Kritikern und Mitarbeiter internationaler Festivals kuratiert. Sprich, Experten heben für Sie die besten Filmschätze. Und wer nun doch aus dem Vollen schöpfen mag: Es gibt neu eine Videothek mit Hunderten Filmen. Darunter Klassiker und Geheimtipps.

Diese Filme sind wie Schätze


Diesen Film will ich mir schon lange ansehen! In Luca Guadagninos «Io Sone L`Amore» spielt Tilda Swinton die Frau des Oberhauptes des Recchi-Clans, einer alteingesessenen Mailänder Modedynastie. Emma ist reich, elegant und sorgenfrei. Bis sie dem Koch Antonio begegnet, einem Freund ihres Sohnes.


«The Black Power Mixtape 1967-1975» macht schmerzhaft bewusst, wie wenig sich in den vergangenen Jahrzehnten in Sachen Diskriminierung von BIPoC verändert hat. Regisseur Göran Hugo Olsson hat dieses unentdeckte Filmmaterial aus den Sechzigerjahren zu einer bewegenden Dokumentation zusammengestellt.


Um Leidenschaft, Liebe und intellektuelle Lust geht es im Film «Portrait de la jeune fille en feu»: Bretagne, 1770. Marianne soll ein Porträt der Adeligen Heloïse für deren zukünftigen Gatten anfertigen. Die aber weigert sich, sich malen zu lassen. In starken Bildern erzählt die Regisseurin Céline Sciamma von der Bewusstwerdung zweier Frauen und ihrer Liebe zueinander. 


Dieser Film ist nichts für schwache Nerven, zumal in Zeiten einer Pandemie. In «Safe» vom Kult-Regisseur Todd Haynes spielt Juliane Moore Carol. Ihre Tage verbringt sie zwischen Fitness-Studio, Friseur und Wohltätigkeitsdinner. Sie ernährt sich gesund und trinkt nur Wasser. Trotzdem bricht sie eines Tages zusammen. Die Diagnose: Sie ist allergisch gegen das 20. Jahrhundert.

Filme, die man spürt

Josephine Deckers Film «Madeline’s Madeline» sieht man nicht nur. Man spürt ihn. Die sechzehnjährige Madeline (Helena Howard) ist einer Theatergruppe beigetreten. Die Regisseurin ermutigt sie, ihre problematische Beziehung zur Mutter (Miranda July) einfliessen zu lassen. Was die Grenzen zwischen Realität und Performance verschwimmen lässt. Ein sinnlicher Trip in die Psyche einer Jugendlichen. Ein mutiger Film zum Thema geistige Gesundheit.


In Peter Greenaways sinnlicher Liebesgeschichte «The Pillow Book» begegnet der junge Ewan McGregor einer schönen Japanerin. Nagiko kann nur sexuelle Lust empfinden, wenn sie sich am ganzen Körper mit kalligraphischen Schriftzeichen bemalen lässt. Aus der Zweckgemeinschaft der beiden wird Liebe. Einer von Greenaways mysteriösesten Filmen.


Der Regisseur Hubert Sauper begibt sich mit «We Come As Friends» ins Herz Afrikas: Als der Sudan in zwei Nationen geteilt wird, verfällt das Land in alte Muster der «Zivilisierung»: Kolonialismus, Kampf der Herrscher und neue Kriege im Namen des Glaubens und der Ressourcen. In seinem selbst gebauten Flugzeug nimmt Sauper die Zuschauer mit und trifft auf chinesische Ölarbeiter, UN-Friedenstruppen, sudanesische Kriegsherren und amerikanische Evangelisten. Ein Film, der die Spuren des modernen Kolonialismus anklagt.