10. Oct 2019

TEXT VON

Carla Reinhard

FOTOGRAFIEN VON

Fernando Gomez / Trunk Archive (1), Maison Ito (1)

Druckfrisch

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Saugen statt schneiden, pressen statt pieksen. Sind Gesichtsmassagen die neuen Facelifts?

«Wird es schmerzen?», frage ich, bevor die Gesichtsmassage-Therapeutin das Schröpfglas auf der Haut ansetzt. Vor meinem inneren Auge sehe ich die kreisförmigen Blessuren von Schröpffanatikern wie Schwimmer Michael Phelps. Ganz schnell wird klar: Die Behandlung ist etwa so schmerzhaft wie feine Babyküsse. Ob deshalb gerade so viele von der uralten Massagemethode schwärmen?

Ich könnte mich auf jeden Fall daran gewöhnen. Und würde gut daran tun: Das Vakuum des Glases regt die Durchblutung und den Lymphfluss an. Was banal klingt, geht in die Tiefe: Bringen wir Bewegung in das Lymphlabyrinth, kommt die Abfallabfuhr des Körpers in Schwung. Die milchige Flüssigkeit – wir produzieren pro Tag mehr als fünf Liter davon – schlängelt sich durch das ausgeklügelte Netz der Lymphbahnen und nimmt mit, was unsere Zellen nicht mehr brauchen. Endstation: Entgiftungsorgan Leber. Aber Moment mal, was hat das mit dem angepriesenen Facelift zu tun? Ganz einfach: Fliessen die Abfallstoffe ab, löst sich der Stau auf, der für Schwellungen verantwortlich ist. So wirkt das Gesicht eine Nuance schmaler und geliftet – mit Betonung auf Nuance.

Aber ganz ehrlich, verdächtig glatt gebügelte Gesichter sind sowieso passé. Wer die Konturen noch klarer herausarbeiten will, muss einen Finger krumm machen. Oder besser mehrere. Mit festem Druck und Bewegungen nach aussen und oben kneten wir uns zu neu definierten Wangenknochen. Oder werden geknetet, zum Beispiel im Zürcher Gesichtsmassagestudio Maison Ito.

Die Griffe fühlen sich nicht wie Babyküsse an. Eher wie Babyschläge. Nicht schmerzhaft, aber so intensiv dass man die Ursprünge in der chinesischen Medizin spürt. Wer drückt, statt saugt, arbeitet auf der Muskelebene und lockert sie wie bei einer Ganzkörpermassage. Das Ziel: Spannungsfältchen mindern. Der Haken: Wir brauchen Disziplin. Nur wer beim Schröpfen und Massieren dranbleibt, wird einen Unterschied sehen.

Das sagt die Expertin

Emilie Celine ist Inhaberin des Gesichtsmassagestudios Maison Ito in Zürich.

Bolero: Sie bieten neben klassischen Massagen auch Schröpfen an. Wann setzen Sie welche Technik ein? 

Emilie Celine: Am liebsten kombiniere ich die japanisch inspirierten Massagegriffe mit Schröpfgläsern oder dem Gua Sha, einem flachen, geschliffenen Stein, mit dem ich das Gesicht massiere. Face Cupping eignet sich als fünfzehnminütiges Extra nach einer Massage, um der Haut einen Boost zu geben.

Benutzen Sie die Schröpfgläser bei allen Hauttypen?

Grundsätzlich ja, aber die Anwendung ist nicht immer gleich. Wenn jemand sehr unreine oder sensible Haut hat, kommen die Gläser nur kurz zum Einsatz, um den Lymphfluss anzuregen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Schröpfen im Gesicht und dem am Körper?

Wir arbeiten im Gesicht mit einer viel schwächeren Saugwirkung und verzichten auf Wärme, die am Körper manchmal eingesetzt wird.

Wieso beginnen Ihre Massagen immer am Hals?

Damit ich gleich am Anfang die Lymphe aktiviere. Am Hals sitzen viele Lymphknoten, deshalb ist es die ideale Stelle.

Wie sind Sie darauf gekommen, Gesichtsmassage-Therapeutin zu werden? 

Ich habe von 2009 bis 2014 in China gelebt und bin diesen Techniken immer wieder begegnet. Ich habe mich dann entschieden, an der japanischen Shiatsu-Schule in Madrid die Ausbildung zu machen.

ODACITÉ Massagestein Gua Sha aus blauem Sadalith, ca. Fr. 50.–

PRAXISSHOP Mundgeblasenes Schröpfglas, Fr. 14.70

HERBIVORE Gesichtsöl Emerald mit Hanföl, ca. Fr. 55.–