20. Apr 2019

TEXT VON

Natalie Trüeb

FOTOGRAFIEN VON

Imaxtree

Falten? Ja, bitte!

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Gekommen, um zu bleiben: Plissee erlebt seinen zweiten Frühling.

Letzteres aber bitte nicht wörtlich nehmen. Denn bereits die alten Ägypter legten Stoffe in Falten und fixierten diese mithilfe von Steinen, die sich durch Sonneneinstrahlung erhitzten. Im Mittelalter versuchte man die gefalteten Aristokraten-Kragen zusätzlich mit Weizenstärke zu befestigen – eine Methode, die sich allerdings nur bei trockenen Verhältnissen bewährte. Sobald die Naturtextilien mit Feuchtigkeit in Berührung kamen, musste der gesamte Prozess wiederholt werden, was jeweils stundenlange Handarbeit bedeutete. Aufgrund seiner aufwändigen Herstellung war Plissee auserwählten Persönlichkeiten vorbehalten. Mit der Entwicklung der Plissiermaschine und der Synthetik kam die Wende: Durch das beschleunigte, dauerhafte Falten konnte ab sofort im grossen Rahmen zum kleinen Preis produziert werden.

Den Vorreiter des heutigen Plisseekleides schuf der Italiener Mariano Fortuny um die Jahrhundertwende. Seine «Delphos»-Robe galt als modische Revolution. Im Gegensatz zum damals populären Korsett, glich sie sich nämlich dem Körper an – und nicht umgekehrt.

Beinahe ein Jahrhundert später sorgte ein weiterer Name für Aufsehen: Issey Miyake. Der japanische Modeschöpfer widmet Plissee seit Anfang der 1990er-Jahre eine eigene Linie names «Pleats Please».

Seither machen die grossen Modehäuser regelmässig Gebrauch von der Falttechnik. Während letztes Jahr plissierte Röcke dominierten, zeigen die Designer 2019 vermehrt auch (teils winzig klein) gefältelte Oberteile oder Kleider.

von links: Fendi, Givenchy, Valentino

Die Streetstyle-Ikonen hingegen setzen nach wie vor am liebsten auf den Plisseejupe. Gerade in der Übergangszeit ist er ein beliebter Begleiter, da er an kühlen Morgen genauso gut zum kuscheligen Strickpullover getragen werden kann wie an warmen Nachmittagen zum ärmellosen Top.

Trotz Vielseitigkeit ist beim Styling Vorsicht geboten. Plissee paart man besser nicht mit taillierten Hemdblusen oder Ballerinas – es sei denn, man möchte wie ein Schulmädchen aussehen. Stattdessen bricht man das feminine Detail mit übergrossen Hoodies oder klobigen Sneakers.

Besonders angesagt sind aktuell Kombinationen aus derselben Farbfamilie oder mit Taillengürtel.

Wer letztes Jahr noch nicht auf den Trend aufgesprungen ist, hat nun erneut die Gelegenheit dazu: