23. Feb 2017

TEXT VON

Samuel Haitz

Gucci im Garten des Alchemisten

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Gestern hat Gucci-Kreativdirektor Alessandro Michele seine Männer- und Damenkollektion für Herbst/Winter 2017 in Mailand gezeigt. Zum ersten Mal hat das italienische Haus die Kollektionen für beide Geschlechter zusammen präsentiert. Das Resultat? Eine unglaubliche Menge an Models, die den Laufsteg betraten – rund 120 Looks wurden auf dem verglasten Runway, der um eine schwarz glänzende Pyramide gebaut war, präsentiert.

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Alltagstauglichkeit schien für Michele erneut keine Priorität zu haben. Wie wir es von Gucci unter seiner Ägide bereits gewohnt sind, trafen glänzende Stoffe, wilde Prints und üppige Stickereien aufeinander. More of the Same, könnte man auf den ersten Blick sagen. Aber das greift zu kurz: Michele baut die Kollektionen aufeinander auf, bleibt sich treu. «I’m trying to follow my rules, not fashion’s rules», meint der Designer. Zu bereits bekannten Inspirationen kommen Neuerungen wie schottische Trachten oder Prints der Künstlerin Coco Capitan, die auch bei der Gestaltung der Einladungskarten einen prominenten Part innehatte. 

 


«What are we going to do with all this future?» stand dort in krakeliger Schrift und dürfte sinnbildlich Micheles Vision widerspiegeln. Ein Paradox, denn der Designer prägt zurzeit die Mode und ihre Zukunft wie kaum ein anderer. Trotzdem nennt er seinen neuesten Streich «The Alchemist’s Garden – an anti-modern laboratory». Der Alchemist im Titel ist schnell erklärt: Michele ist für Gucci-Inhaber Kering eine Goldgrube, erzeugt einen Hype, der die Kassen des Konzerns klingeln lässt. Warum aber «anti-modern»? Der Italiener ist ein Nostalgiker, gerade der Einfluss der Siebzigerjahre ist in dieser Kollektion klar ersichtlich. Er versteht es aber wie kein anderer, diese Einflüsse in unsere Zeit zu übersetzten. Anti-Modern heisst für ihn wohl schlicht und ergreifend, dass seine Mode nicht futuristisch ist. 

Die Welt, die das Mailänder Haus mit dieser Philosophie erschafft, ist in sich stimmig. Mit der neuen Kollektion zeigt Gucci einmal mehr, dass zuviel des Guten wunderbar ist.