10. Jul 2020

TEXT VON

Laura Catrina

Haute Couture 4.0

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Die Pariser Haute-Couture-Schauen konnten diese Saison nicht wie üblich stattfinden. Die Modehäuser haben sich so einiges einfallen lassen, um ihre Vision trotzdem an potenzielle Kundschaft zu bringen.  

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie konnten die Pariser Couturiers nicht wie gewohnt Modeschauen abhalten. Statt wie üblich auf grosse Spektakel mit geladenen Gästen, setzten die Modehäuser auf Kurzfilme und Social-Media-Präsenz, um ihre Kollektionen zu präsentieren. Wir zeigen unsere drei Highlights der Haute-Couture-Saison Herbst/Winter 2020.

Im mystischen Wald mit Dior

Die Haute-Couture-Schau von Dior ist üblicherweise einer DER Events des Modejahres. Das Pariser Haus scheut jeweils keine Mühen und Kosten, um den geladenen Gästen, darunter hochkarätige Showbiz-Prominenz, ein aussergewöhnliches Erlebnis zu bieten. Diese Saison ist alles anders, doch Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri hat es sich nicht nehmen lassen, die Kollektion auf ganz spezielle Weise zu präsentieren. Ein knapp 15-minütiger Film von Regisseur Matteo Garrone («Pinocchio») entführt uns in eine mystische Welt, wo Meerjungfrauen, Nymphen und schöne Jünglinge in üppiger Natur leben. Die Haute-Couture-Kollektion taucht in Form von Miniature-Roben auf – eine Hommage an das «Théâtre de la Mode» von 1945 –, die von zwei Concierges in diese märchenhafte Welt gebracht werden und die sich, wie durch Zauberhand, in die richtige Grösse verwandeln, sobald die Kreaturen ein Kleid auserwählt haben.

Eine Impression aus dem Kurzfilm «Le Mythe Dior» von Matteo Garrone.

Chanels Punk-Prinzessin

Seit Virginie Viard nach Karl Lagerfelds Tod vor eineinhalb Jahren das kreative Zepter bei Chanel übernommen hat, sind die Kreationen des Pariser Hauses nahbarer und tragbarer geworden. Das gilt auch für die Haute Couture, die luxuriöseste und teuerste aller Kollektionen. In diesem Sinne präsentierte Viard die Kollektion für Herbst/Winter 2020 ebenfalls verhältnismässig bescheiden. Das kurze Video vom schwedischen Fotografen Mikael Jansson kommt cool und zeitgemäss daher und will damit auch eine jüngere Kundschaft ansprechen. «Ich habe an exzentrische Prinzessinnen gedacht, die Art von Frauen, die Karl Lagerfeld gerne auf Partys und ins Le Palace begleitet hat», sagt Viard über die Inspiration der Kollektion. Die Kleider strahlen trotz luxuriösesten Materialien und aufwändigster Verarbeitung eine moderne Leichtigkeit aus.

Die Kollektion von Chanel wurde von Mikael Jansson in Szene gesetzt.

Schiffsfahrt à la Balmain

Als Millennial ist sich Olivier Rousteing, 34, der Wichtigkeit von Social Media bewusst, und nutzt Kanäle wie Instagram auch dementsprechend rege. Um seine aktuelle Haute-Couture-Kollektion für Balmain zu präsentieren, bestieg der Kreativdirektor letzten Sonntag mit einer Schar von Models ein Boot für eine Fahrt auf der Seine. Das Live-Spektakel inklusive einer Performance von der französischen Musikerin Yseult wurde unter dem Hashtag #BalmainSurSeine auf diversen Kanälen gespielt, unter anderem auch auf TikTok. Die Haute-Couture-Kollektion ist eine Hommage an die vergangenen 75 Jahre des Pariser Modehauses. Rousteing hat dafür eine Art «Greatest Hits» rekreiert; die spektakulärsten und aufwändigsten Kleider, die der Gründer der Marke, Pierre Balmain, und seine Nachfolger in den letzten Jahrzehnten entworfen haben.

Die Haute-Couture-Präsentation von Balmain auf einem Boot auf der Seine.