28. Jun 2019

TEXT VON

Rahel Zingg

FOTOGRAFIEN VON

Ana Cruz / Unsplash

Helfen die Pride-Kollektionen der LGBT+-Community?

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Die Modewelt schreibt sich die sechs Farben für mehr Toleranz gern auf ihre Fahnen – und Kleider.

Und plötzlich war alles bunt. Die Facebook-Profilfotos, die Instagram-Kanäle, die Hashtags leuchteten rot, orange, gelb, grün, blau und violett. Der Monat Juni stand ganz im Zeichen des «Gay Pride». Und wer wollte, konnte seine Toleranzgedanken auch analog zum Ausdruck bringen. Natürlich mit der Teilnahme an Strassenumzügen oder Demonstrationen – aber auch mit seinen Turnschuhen. Zum Beispiel.

Denn auch die Modewelt nimmt immer stärker Anteil daran und feiert ihn mit einer Vielzahl von limitierten Kollektionen – stösst damit aber nicht immer auf Begeisterung. «Pinkwashing» wird ihr vorgeworfen. Geschäftemacherei! Und das auch noch unter dem Zeichen von Toleranz.

Und plötzlich war alles bunt

So hat Esprit beispielsweise eine Capsule-Kollektion herausgebracht, die detailliert den Pride-Gedanken würdigt. Entworfen wurden die farbenfrohen T-Shirts und Sweater von Craig Redman und Karl Maier, die als Designer-Duo besser unter dem Namen Craig & Karl bekannt sind. Ihr Markenzeichen sind stilisierte Vektor-Illustrationen in, klar!, allen Farben des Regenbogens.

In der Adidas-Kampagne zum Pride Month sprechen Aktivisten und Aktivistinnen wie Popstar Ace Troy, Drag Performer Flawless Shade und DJ Venus X über ihre Erfahrungen als Teil der LGBTQ+-Community. Die Marke hat ihren Klassikern, unter anderem den Sneakern Ultraboost 19, Nizza und dem Continental 80 ein Update in Regenbogenfarben verpasst. Adidas tätigt von den Erlösen eine Spende an das The Trevor Project, das sich für Selbstmordprävention und Hilfen zur Krisenbewältigung unter Jugendlichen der LGBTQ+-Community einsetzt.

© Adidas

Oder Levi’s. Das Label unterstüzt mit seiner Pride Collection OutRight Action International – eine NGO, die sich seit drei Jahrzehnten für die LGBTQ+-Rechte einsetzt. 100 Prozent der Erlöse gehen an diese Organisation.

Guter Zweck? Schön und gut, aber …

Den Brands wird vorgeworfen durch die Kommerzialisierung die Bewegung zu verniedlichen. Ihr den Sinn zu rauben. Das ist so aber nicht ganz richtig. Für gleiche Rechte zu sein und gegen Diskriminierung, das ist eine Haltung. Eine, die nicht einfach kaputt geht, nur weil es plötzlich bunte Schuhe gibt. Wäre etwas schwach.

Und am Ende ist so eine textile Instant-Haltung natürlich immer noch besser als gar keine. Solange man sich auch noch an sie erinnert, wenn der modische Regenbogentrend längst wieder vorbei ist.