13. May 2020

TEXT VON

Leoni Hof

FOTOGRAFIEN VON

Sticker featuring Bryan-Wilson © Miranda July

Ich, ich, ich

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Diese Retrospektive fällt garantiert nicht aus. 

Miranda July ist besorgt – dass dieses Buch wie ein einziger grosser Ego-Trip wirken könnte. Sie habe sich damit einer Freundin anvertraut, die abgewunken habe: DER Zug sei längst abgefahren. Und nun ist «Miranda July» von Miranda July denn auch erschienen. Und obwohl es tatsächlich ausschliesslich um die amerikanische Künstlerin geht, eine Retrospektive mit gerade mal 46!, ist das Buch mehr als nur Nabelschau. Weil July mehr als nur Performerin ist, sie ist nicht nur Filmemacherin oder Autorin. July ist ein Gesamtkunstwerk und sie ist Kult. In einer Zeit, in der so viel so wenig Sinn macht und in der ständig alles ausfällt, wird man sich diese Schau mit Sicherheit anschauen können. Ohne Mundschutz und Sicherheitsabstand. Denn sie findet zwischen zwei Buchdeckeln statt.

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I am getting all your sweet DMs about pre-ordering the book (link in bio), thank you! I suppose I’m throwing myself into this supplemental, archival material because this is what I have to work with, as opposed to, say, a "book tour”. (Those quote marks are the virus itself: replicating, intelligent, surrounding each of our dreams and making them laughable.) Love Diamond. This was my first, full-length performance — Kristy Edmunds of @picapdx invited me out of the punk clubs into a season with performers like Phillip Glass and I loved the high stakes of this challenge. This chapter in the book is one of my favorites so I won’t give away too much, but for this excerpt it is helpful to know that I had been going to eye doctors since I was nine and by this point, at age 24, I had a whole world of pain associated with having my eyes examined by weird men who never managed to help me. (More recently I’ve had some great male eye doctors — I’m looking at you Dr Bhandarkar and Dr Aldave!) Also you might notice that I’m triggering the slide projections and video myself, with remotes. It just seemed easier than explaining all the cues to someone else. I played several characters in this 90 minute, two-act show; this one was called Tini. She almost drowned as a child, the only reason she is forever in that bathing suit. This video is from opening night, but I would perform Love Diamond for the next two years, including at @thekitchen_nyc and @iffr. Live accompaniment by Zac Love.

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July sagt zur Entstehung dieses Werks: «Ich liebe Bücher, die zeigen, wie das Leben eines Künstlers oder Schriftstellers wirklich ist. Die Routinen und Misserfolge. Aus solchen Büchern weiss ich, wie viele Ballettschuhe eine Ballerina in einem Jahr durchtanzt oder welche Schriftsteller Säufer sind. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es ein solches Buch über einen multidisziplinären Künstler gibt, der zwischen de Medien hin und her springt. Als Jugendliche hätte ich gern so eins gelesen.»

July performing Love Diamond © Miranda July 
July in the elevator of the Whitney Museum of American Art © Jason Schmidt 
 © Michael Lavine 

Das crossmediale Werk der Amerikanerin lässt sich tatsächlich nur schwer kategorisieren. Verläuft irgendwo zwischen Performance, Film und Text. Womit sie die zeitgenössische Kunstszene und Popkultur massgeblich beeinflusst. Diese von der Künstlerin kuratierte Retrospektive präsentiert ihr komplettes bisheriges Schaffen, von ihren Performance- und Videoprojekten, digitalen Multimedia-Arbeiten und preisgekrönten Filmen bis hin zu ihrem literarischen Werk. Bebildert mit Fotografien, Filmstills und diversem Archivmaterial, verdeutlicht der Band die Vielfältigkeit der Kunst Miranda Julys. Begleitend kommen befreundete Künstler, Kuratoren und Wegbegleiter Julys in persönlichen Statements zu Wort, darunter Hans Ulrich Obrist, Lena Dunham, David Byrne, Spike Jonze und Carrie Brownstein – sowie Miranda July selbst. So eröffnen sich intime Einblicke in ihren kreativen Prozess und in ihre künstlerische Entwicklung zu einer Allrounderin mit Kultstatus.

«Miranda July: Miranda July», Prestel, 61 Franken.