03. Jul 2019

TEXT VON

Natalie Trüeb

Ist Kleidung modern?

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Dior präsentiert in Paris seine Haute-Couture-Kollektion – und wirft damit eine für die Modeindustrie zentrale Frage auf.

«Are clothes modern?» prangt auf der schlichten, weissen Robe. Eine Frage, welcher bereits der Kulturtheoretiker und Architekt Bernard Rudofsky nachging und 1947 gar eine eigene Ausstellung widmete. Im Zentrum dieser standen Form und Funktion von Kleidung – eine Thematik, mit der sich zeitgleich auch Christian Dior befasste und die auch gut siebzig Jahre später noch zum Denken anregt.

Inspiriert von den Überlegungen Diors und Rudofskys, stellt Maria Grazia Chiuri Parallelen zwischen Mode und Architektur her. Ähnlich einem Gebäude, sieht sie auch Kleidungsstücke als Konstrukte, die von einem unterliegenden «Gerüst» (dem menschlichen Körper) getragen und definiert werden. Um den Fokus nicht von den Silhouetten, Texturen und Details zu lenken, ist die Kollektion praktisch komplett in schwarz gehalten.

Einzige Ausnahmen sind eingangs erwähnte Peplos-Robe sowie das tragbare Haus, welches die Show beendet. Auf den ersten Blick fremd, fügen sich beide Looks bei genauerer Betrachtung harmonisch in die übrige Kollektion. Denn auch sie verfügen über einen architektonischen Bezug: Erstere wurde von den Karyatiden, jenen Frauenstatuen, die in der Antike Tempel schmückten und stützten, getragen. Letzteres zeigt ein Abbild der 30 Avenue Montaigne, Diors Geburtsstätte und Veranstaltungsort der Modeschau.

Auch Penny Slingers Set greift die Geschichte des Modehauses auf, indem es Frauen, welche es geprägt haben, zeigt.

Foto: Adrien Dirand

Entstanden ist ein Gesamtkunstwerk, das gekonnt Tradition und Moderne vereint.