24. Sep 2019

TEXT VON

Leoni Hof

FOTOGRAFIEN VON

«Fotografie gegen Malerei», 2005.

Körperbilder

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Zum hundertsten Geburtstag würdigen Ausstellungen in Wien und Zürich einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Wien ist immer eine Reise wert. Im Herbst erst recht. Die beeindruckenden Haupt- und Schlüsselwerke der österreichischen Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) sind hier nun in einer umfassenden Retrospektive zu sehen. 100 Jahre alt wäre Lassnig heuer geworden.

«Mit einem Tiger schlafen», 1975.

Zeitlebens widmete sie sich einer Fülle an Themen: dem Selbstportrait, Sciencefiction, den Beziehungen zu Menschen, Tieren und Technik, dem Verhältnis zu Gewalt und Krieg. Als roter Faden dominierte in ihrem Schaffen das Sichtbarmachen ihres Körperbewusstseins. Bereits ab Ende der 1940er Jahre machte Lassnig den eigenen Körper zum Mittelpunkt ihrer Kunst, lange bevor Körpergefühl, Körpersprache und das Verhältnis von Mann und Frau zentrale Themen der internationalen Avantgarde wurden. Sie markiert damit einen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der modernen Kunst, dessen Nachhall bis heute spürbar ist. Humorvoll und ernst, sehnsuchtsvoll und gnadenlos bannt die Künstlerin ihre Selbstempfindung auf den Malgrund. Nicht was sie sieht, sondern wie sie sich spürt, wird zum Bild.

«Selbstporträt mit Sprechblase», 2006.

Die Ausstellung «Maria Lassnig. Ways of Being» ist bis zum 1. Dezember in der Albertina in Wien zu sehen.

Auch bei Hauser & Wirth in Zürich sind Lassnigs Arbeiten zu sehen und zwar vom 11. Oktober bis 21. Dezember. Die Ausstellung «Maria Lassnig. Zarter Mittelpunkt» wird kuratiert von Peter Pakesch, Direktor der Maria Lassnig Stiftung, zeigt selten ausgestellte Zeichnungen und Aquarelle aus den 50er bis zu den 90er Jahren, von denen einige nie zuvor ausserhalb des Archivs der Stiftung ausgestellt wurden.  

«Ohne Titel», 1980-1985.
Maria Lassnig in ihrem Studio, Rue de Bagnolet, Paris, 1961
© Maria Lassnig Foundation. Courtesy the Foundation and Hauser & Wirth
«Woman Power», 1979.