Künstler und ihre Millionen-Werke

Picasso und da Vinci in allen Ehren, doch es gibt auch Künstler, die bereits zu ihren Lebzeiten Millionen mit ihren Werken machen. Das sind die aktuell teuersten Künstler der Welt.

Jeff Koons

Rund 405 Millionen Franken bezahlte ein unbekannter Bieter Ende 2017 dem Auktionshaus Christie's für den 500-jährigen «Salvator Mundi» von Leonardo da Vinci (1452–1519). Es ist das einzige Gemälde des italienischen Malers, das sich in Privatbesitz befindet. Um solche Wahnsinnssummen zu erzielen, scheint es, muss der Künstler bereits verstorben sein. Herrscht auf dem Kunstmarkt etwa nur Interesse für Bilder von toten Künstlern?

Natürlich nicht! Es gibt auch Werke von lebenden Künstlern, die bereits Millionensummen einbringen. Es handelt sich zwar nicht um solch hohe Beträge, wie es bei den Kunstwerken mit verstorbenen Schöpfern der Fall ist, aber die Zahlen lassen sich dennoch sehen: Für umgerechnet rund 82 Millionen Franken wurde im Mai 2019 etwa die 1,04 Meter hohe Stahlskulptur «Rabbit» von Jeff Koons (66) versteigert. Kein anderes Werk eines lebenden Künstlers erzielte bisher einen solch hohen Wert.

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Überdimensionale Skulpturen von Ballontieren, die in allen Farben glänzen – das ist Jeff Koons' Markenzeichen. Und tatsächlich glänzt alles, was der US-amerikanische Künstler anfasst. Koons führte schon einmal mit einem anderen Kunstwerk die Liste der teuersten lebenden Künstler an. Der gut drei Meter hohe «Balloon-Dog» wurde im November 2013 für rund 56,5 Millionen Franken versteigert. 2018 übernahm der britische Künstler Hockney kurzzeitig die Führung, doch Koons ist seit Mai 2019 mit seinem 82-Millionen-Franken-«Rabbit» wieder zurück an der Spitze.

Nur knapp weniger brachte David Hockneys (83) «Portrait Of An Artist (Pool With Two Figures) ein: 2018 kam die Schwimmbeckenszene des britischen Malers für 81,3 Millionen Franken bei Christie's unter den Hammer.

Jasper Johns (90) gilt als Wegbereiter der Pop-Art-Richtung, der vor allem für seine Abbildungen der US-Flaggen, die in den 50er-Jahren entstanden, bekannt wurde. Das ikonische Werk «Flag» des US-amerikanischen Malers wechselte 2010 für umgerechnet rund 27 Millionen Franken den Besitzer. Doch es war ein anderes Gemälde, das eine Rekordsumme erzielte: «False Start» war im Besitz des US-amerikanischen Musik- und Filmproduzent David Geffen (78), er verkaufte es in einem privaten Handel für circa 72 Millionen Franken.

Eine JPEG-Datei für umgerechnet etwa 62,4 Millionen Franken? Klingt verrückt, doch genau das gelang dem Werk «Everdays: The First 5000 Days» von Beeple (38), der mit richtigem Namen Mike Winkelmann heisst. Seit 2007 lud der US-amerikanische digitale Künstler fast täglich ein Bild auf die Online-Plattform Tumblr hoch. Diese fügte er dann zu einer Datei mit 21'069 mal 21'069 Pixeln zusammen. Sein Werk ist ein Teil des jüngsten Hypes um NFT-Kunst, sogenannte non-fungible token. Dabei handelt es sich um digitale Echtheitszertifikate, die bestätigen, dass unter mehreren identischen Kopien nur eine Datei als signiertes Original gilt.

Je grösser, desto besser, dachte sich wohl Sacha Jafri (44): Dem britischen Maler gelang mit seinem 1500 Quadratmeter grossen «The Journey of Humanity» der Eintritt ins Guinness-Buch der Rekorde, als grösstes Gemälde auf Leinwand der Welt. Während acht Monaten malte Jafri in einem Hotel in Dubai an diesem überdimensionalen Bild. Auch rekordverdächtig ist die Summe, welche die Versteigerung des Werks einbrachte: umgerechnet rund 55,8 Millionen Franken zahlte angeblich ein Krypto-Unternehmer. Der Erlös soll gespendet werden.

Seine Werke sind Erfolgsgaranten: Die Bilder des deutschen Malers Gerhard Richter (89) erzielen schon seit Jahren enorme Summen. Beim Erschaffen hält er sich an Fotografien, bei denen am Ende kein visueller Bezug zum Ausgangsmotiv mehr besteht. Von seinen abstrakten Malereien gibt es unzählige. Sein Rekord gelang 2015, als «Abstraktes Bild 599» für satte 41,7 Millionen Franken ersteigert wurde.

Zurzeit findet im Kunsthaus Zürich eine Ausstellung mit Werken von Richter statt. Im Fokus steht die zentrale Bildgattung seines Schaffens: die Landschaftsmalerei. Zu sehen sind 140 Arbeiten, die meisten davon erstmals in der Schweiz.

In der westlichen Welt ist er nur wenig bekannt, doch in seiner Heimat China ist Cui Ruzhuo (76) ein gefeierter Künstler, der vor allem traditionelle Tuschlandschaften malt. Unter Poly Auction Hong Kong versteigert, erzielte «Ink Landscapes» umgerechnet rund 27,3 Millionen Franken.

Fünf gelbe Buchstaben auf dunkelblauem Grund für rund 27,3 Millionen Franken: «Smash» ist das teuerste Werk von Ed Ruscha (83). Der gelernte Grafikdesigner stammt ebenfalls aus den USA.

Nach Gerhard Richter ist Peter Doig (62) wohl der zweitreichste europäische Künstler. Das Werk «Rosedale» des schottischen Malers ging für umgerechnet rund 26 Millionen Franken über die Bühne.

Eine Hommage an Leonardo da Vincis «Das Abendmahl» stellt «The Last Supper» des chinesischen Malers Zeng Fanzhi (57) dar. Das Bild zeigt ein mit maskierten jungen Kommunisten gefüllter Tisch, die mit Wassermelonen ein Massaker veranstalten. Umgerechnet wurde das Werk in einer Auktion von Sotheby's in Hongkong für etwa 21 Millionen Franken versteigert.

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