Gül-Besitzerin Elif Oskan kocht mit grosser Leidenschaft

«Essen vermittelt Emotionen»

Seit 2019 verzaubert Elif Oskan die Gäste im Gül Restoran mit türkischen Spezialitäten. Die Liebe zum Essen hat sie von ihrer Mutter geerbt.

Elif Oskan, Gül

Elif Oskans (32) grosses Vorbild ist ihre Mutter. «Sie inspiriert mich nicht nur beim Kochen, sondern in allen Lebensbereichen», so die aufgestellte Mitbesitzerin des Restaurants Gül. Im Gül ist sie nicht nur Chefin, sondern steht auch mit ihrem Team in der Küche. «Wenn ich im Gül bin, freue ich mich, neue Sachen auszuprobieren.»

Oskan versucht, so oft es geht, im Gül zu sein. Zusammen mit ihrem Partner Markus Stöckle führt sie auch noch das Restaurant Rosi. Ein voller Terminkalender ist da vorprogrammiert: «Meinen Tag starte ich aber immer mit einem Kaffee – das ist mein Morgenritual, damit ich meinen Platz in der Welt zu finde.»

Anfang 2019 eröffnete das Paar zusammen mit Valentin Diem das türkische Restaurant zwischen Langstrasse und Kanonengasse. Mittlerweile gibt es auch einen Gül Express nahe des Zürcher Hauptbahnhofs. Eine familiäre Atmosphäre ist mitunter ein Grund, warum das Gül so gut ankommt. Vor allem aber sind es die Köstlichkeiten, die dort auf den Teller kommen und so intensiv gewürzt schmecken, die es den Gästen angetan haben. «Traditionelles türkisches Essen ist für mich herzerwärmend, weil es so bodenständig und zeitgleich auch komplex ist», erklärt Oskan sich die Beliebtheit ihrer Spezialitäten.

Oskans Team beweist mit einer vielfältigen Karte, dass die türkische Küche noch viel mehr zu bieten hat als nur Döner. «Ich persönlich esse am liebsten das Lahmacun oder Vegacun auf unserem Menü – das könnte ich jeden Tag geniessen.» Ein Klassiker in der Region, aus der Oskan stammt: Südostanatolien.

Kochen sei keine reine Männerdomäne mehr, findet die erfolgreiche Gastro-Unternehmerin und Gastgeberin. «Alles ist im Wandel. Die Umstände haben sich verbessert und die Möglichkeiten für Frauen entwickeln sich immer weiter. Heute kann man ein Kind haben und arbeiten», führt Oskan aus. Sie freue sich, dass die Frauenquote in ihrer Branche langsam ansteige. Dafür brauche es aber auch inspirierende Vorbilder.

Eines dieser Vorbilder ist Oskan selbst. Sie hat es in der Gastrobranche weit gebracht. Am 11. und 18. April 2022 ist sie auch als Teil der Jury in der 3+-Sendung «MasterChef Schweiz» zu sehen. Als Ersatz für die krankheitshalber ausfallende Zoe Torinesi bewertet Oskan an der Seite von Andreas Caminada und Nenad Mlinarevic die Teilnehmenden. «Für mich war es das erste Mal, dass ich mich im TV gesehen habe. Es war eine sehr tolle Erfahrung und ich bin dankbar für die Möglichkeit», schwärmt Oskan.

Ihr Lokal mit fast 90 Sitzplätzen ist beinahe jeden Abend ausgebucht. «Uns ehrt es natürlich sehr, dass das Gül so gut ankommt. Es ist wichtig, dass man solche Wertschätzungen annimmt, aber trotzdem mit beiden Füssen auf dem Boden bleibt.» Und man merkt schnell, das ist Oskan definitiv geblieben.

«Ich geniesse es sehr, meine Familie in mein Herzensprojekt miteinbinden zu können», sagt die aufgestellte Köchin. Ihr Vater ist der herzliche Gastgeber, der abends so authentisch grüsst, dass die Gäste glauben würden, er sei extra eingestellt worden. «Er ist seit Anfang an dabei und mittlerweile kennt er alle Stammgäste.» Alle im Team würden ihn «Baba» nennen. Und Oskans Mutter ist ebenfalls ein Teil des Güls, wirkt aber mehr im Hintergrund und kocht mit. «Sie probiert gerne meine Kreationen, kommt aber vor allem auch, um zu kontrollieren», so Oskan lachend.

Oskans Mutter war es auch, die ihr die Leidenschaft zum Essen einbrachte. «Meine Mutter ist einfach eine tolle Frau – und nach wie vor eine sehr tolle Köchin», schwärmt die Gül-Mit-Besitzerin. Dass sie sich schliesslich aber für die Kochlehre entschied, war für Oskan mehr eine intuitive Entscheidung. Man spürt mit jedem Wort die Leidenschaft, die in ihr brennt, wenn es um Essen geht. «Durchs Kochen vermittelt man viele Emotionen. Du bereitest etwas zu, der Gast konsumiert das Essen und auch die damit verbundenen Gefühle.»

Nachdem sie ihre Lehre im Romantik Seehotel Sonne in Küssnacht ZH absolviert hatte, verschlug es Oskan ins Mesa in Zürich. Anschliessend folgte eine kurze Zeit beim Rigiblick, worauf sich das im Züricher Kreis 2 gross gewordene Stadtmädchen nach Zermatt VS ins Heimberg wagte. «Ich hatte eine super Zeit in den Bergen, aber da merkte ich zum ersten Mal, dass ich in die Stadt gehöre», fügt die Köchin schmunzelnd hinzu. In Zürich ist sie gerne zu Hause, wie sie gesteht, dort gibt es viele Entwicklungsmöglichkeiten und die Auswahl für so vieles ist schlicht grösser.

Doch eines führte zum anderen. Der britische Gastronom Heston Blumenthal war zur selben Zeit zum Skifahren in Zermatt und besuchte das Heimberg. Er berichtete von einem Stagiaire-Programm in seinem «Fat Duck»-Restaurant in London. Oskan bewarb sich und schaffte es, dort aufgenommen zu werden. Sie reiste nach England, wo sie 2012 auch ihren zukünftigen Lebenspartner, den Bayer Markus Stöckle, kennenlernte, der ebenfalls im «Fat Duck» arbeitete, und mit dem sie noch heute zusammen ist.

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