Fernwehgeflüster

Darum hat Portugal eine Liebeserklärung verdient

Boleromagazin.ch-Redaktorin Vanessa Büchel reist fürs Leben gern. In der Kolumne «Fernwehgeflüster» erzählt sie von berührenden Momenten, witzigen Anekdoten und permanenten Herausforderungen des Unterwegsseins.

Portugal

Manchmal fühle ich mich unterwegs ganz schön klein. Nicht im Sinne von meiner Körpergrösse, denn für eine Frau bin ich durchschnittlich gesehen übergross, aber mehr emotional betrachtet. Kennt ihr dieses Gefühl? Wenn euch auf einmal bewusst wird, wie gross die schöne weite Welt doch ist. Und wie enorm und gewaltig der Ozean. Mich zumindest überkommt dieses Gefühl hin und wieder, wenn ich am Strand sitze, dem sanften Rauschen horche, den Blick über die endlose Weite schweifen lasse und mich einfach meinen Gedanken hingebe. Dort habe ich schon die ein oder andere wertvolle Idee gehabt, Erkenntnissen entgegengeblickt und Eingebungen zugelassen. Eben, man fühlt sich klein im Vergleich zum irgendwie unheimlichen und grossen Meer. Alles, was so schwer auf den Schultern lastete, wirkt auf einmal gar nicht mehr so enorm. Und man kommt ins Staunen. Staunt über die Gewalt der Natur und deren unglaubliche Schönheit.

So erging es mir einmal mehr an den wilden Küsten Portugals. An diesen naturbelassenen Stränden mit ihren rauen Klippen und meterhohen Wellen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber – wie ich rausgefunden habe – ganz nach meinem Geschmack. Für mich war es irgendwie England, aber halt einfach im Süden. Das habe ich vielen erzählt, denen ich in hohen Tönen vorgeschwärmt habe. Vom Sommer in Portugal, wo an den Küsten immer ein wenig Wind weht, was in normalen Sommern anscheinend für Gänsehaut sorgt, während der aktuellen Hitzewelle aber als sehr angenehm empfunden wird.

Wenn ich so ins Schwärmen komme, dann sehe ich Portugals Westküste vor mir. Die viel gelobte Algarve im Süden ist wunderschön – keine Frage –, aber auch sehr überlaufen. Der Westen, zu dem Orte wie Sines oder Vila Nova de Milfontes zählen, ist verlassener, noch ursprünglicher und authentischer. Irgendwie auch gelassener und entspannter. Wer nicht mit dem Camper vorfährt und direkt an den Klippen nächtigt, der kommt entweder in einem kleinen B&B in den Städtchen unter oder sucht sich eine Farm weiter im Landesinnern, wo Agrotourismus betrieben wird.

Kleine Fischerorte, in die Surfer von überall her pilgern, gehören hier zum Landschaftsbild. Dazwischen gibt es nicht viel: Staubige Strassen, die von Eukalyptussträuchen und Korkeichen gesäumt sind. Zwischendurch fährt man – wie man hier in der Schweiz wohl sagen würde – offroad. Alle Wege führen irgendwie an den Strand, man muss sich nur trauen, den Weg zu nehmen. Die Zufahrten sind nicht immer geteert und die Anreise abenteuerlich.

Man muss sich schon vorwagen an diese Strände, von denen auf Google steht, dass sie nur schwer zugänglich sind, man über Steine klettern muss und durch Sträucher schleicht. So schlimm ist es dann doch nicht. Eine etwas anstrengendere Reise, als man für gewöhnlich an einem Strandtag hat, ist es dann aber schon. Denn für den Genuss der Meisterwerke von Mutter Natur zahlt man einen kleinen Preis: Es geht immer irgendwo runter zwischen die Klippen – die Steigung muss man dann natürlich am Ende des Nachmittags auch wieder erklimmen. Aber es lohnt sich, denn unten wartet ein Paradies für alle diejenigen, die sich dem Meer in seiner ursprünglichen Form besonders nahe fühlen wollen. Die meterhohe Wellen lieben, in die man sich hineinstürzen kann, wie damals, als man noch ein unbeschwertes Kind war.

Und: Portugal liegt in Europa! Ich in davon überzeugt, dass man im Sommer nicht immer weite Schritte tun muss. Klar, ferne Destinationen sind immer cool: Buntes Mexiko, paradiesisches Mauritius, kulturreiches Thailand – das ist alles schön und gut, aber das kann man sich auch für die ganz kalten Monate aufsparen. Wenn es in der Schweiz wieder so richtig eisig wird, dann lohnt es sich, weit wegzufliegen. Aber im Sommer? Da ist es in Europa einfach wunderbar!

Wer die Reise in dieses Land antritt, das irgendwie nochmals ganz anders als das angrenzende Spanien ist und irgendwie auch viel ferner wirkt, als es eigentlich ist, der wird mit (noch) unberührter Natur belohnt. Einmal mehr habe ich einen Ort als Fremde betreten, um dann am Ende ein Stück meines Herzens dazulassen. Weil genau so ist es: Portugal, du hast mein Herz berührt. Du wunderbares Bijou mit deinen wilden Stränden, die nach Abenteuer schreien und naturbelassene Wunder sind.

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