Fernwehgeflüster

Reisen geht durch den Magen

Boleromagazin.ch-Redaktorin Vanessa Büchel reist für ihr Leben gern. In der Kolumne Fernwehgeflüster erzählt sie von berührenden Momenten, witzigen Anekdoten und permanenten Herausforderungen des Unterwegsseins.

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Vor kurzem war ich mit einer Freundin zum Dinner verabredet. Davor überlegten wir lange, wo wir essen gehen möchten. Zürich bietet so vieles. Japanisch? Mexikanisch? Libanesisch? Finde ich alles toll. Eine kleine kulinarische Weltreise in der Limmatstadt. Wer will, der kann hier dem Alltag entfliehen und sich kulinarisch an ferne Orte träumen.

Reisen und Essen gehören für mich unweigerlich zusammen. Ein Land in seiner ganzen Tiefe entdecken, das kann man nur, wenn man sich auch an die lokalen Köstlichkeiten wagt. Zurückhaltend beim Probieren bin ich nie, nur Fleisch und Fisch esse ich nicht. Und das macht es nicht immer leicht beim Unterwegssein. In gewissen Ländern ist es einfacher, in anderen schwieriger. Mancherorts wurde ich gar positiv überrascht, wie in China, wo unerwartet viel Vegetarisches zur Auswahl stand. Oder zumindest hat man uns das so mitgeteilt. Ob der Offline-Übersetzer ein paar Worte verschluckt hat, sei mal dahingestellt.

Das sind meine kulinarischen Highlights aus aller Welt:

In Kuba sieht das schon anders aus. Dort gehe ich oft hungrig ins Bett. Mein Magen knurrt in meiner Erinnerung ständig. Immerhin: Exotische Früchte bekommt man zur Genüge – und die sind auch ein wahrer Genuss –, aber beim Gemüse sind die Kubaner und Kubanerinnen eher zurückhaltend. Ein gibt wenig Bohnen, Tomaten und (häufig) blutten Reis, dazu ein saftiges Stück Fleisch. Das ist es dann auch schon. Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist: der süsse Duft von Churros in den Calles. Bei denen habe ich gern zugeschlagen.

Weiter gehts nach Argentinien, wo das mächtige Steak zum guten Geschmack gehört. Dazu gibts ein Gläschen Malbec. Der lässt sich sehen. Im südamerikanischen Land ist es schon ein wenig besser als auf der karibischen Insel. Hier gibt es zwischendurch auch vegetarisch gefüllte Empanadas. Besonders angetan hat es mir Dulce de Leche – auch Milchkaramell genannt –, das in vielen Speisen enthalten ist.

Im Grunde sind es die Länder Latein- und Südamerikas, wo man als Vegetarierin zwischendurch an seine Grenzen stösst. «Pollo?», wird dann oft entgegnet, wenn man nach «plato vegetariano» fragt. Finden tut man dann meist schon etwas, ob das dann wirklich auch kein Fleisch oder Fisch enthält und mundet, ist eine andere Sache. Auf die Liste mit den für Vegetarier weniger geeigneten Ländern würde ich auch die USA und Australien setzen. Triefende Burger werden dort vorwiegend mit Fleischpatties angerichtet. In Klammer setze ich da die grossen Städte, die mehr Auswahl zu bieten haben.

An manchen Orten scheint die Weiterentwicklung der Menüs wohl stehengeblieben. In gewissen Ländern gehört die Ernährung ohne Fleisch und Fisch aber schon seit jeher zur guten Etikette. In Asien eröffnen sich uns «Pflanzenessern» viele Möglichkeiten. Buddhisten und Hindus ernähren sich schliesslich auch vegetarisch.

In Thailand und Vietnam, Kambodscha und Sri Lanka, sowie in China kam ich auf meine Kosten. Satt gegessen habe ich mich mit rotem Thai-Curry mit Tofu und Gemüse, vegetarischen Summer Rolls oder Kottu Roti ohne Fleisch. Davon träume ich noch heute. Gewürze und Kräuter sorgen für intensive Aromen und mir bisher unbekannte Gemüsesorten lassen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Exotische Früchte, von denen ich noch nie gehört hatte, findet man an allen Strassenecken.

Neben China überrascht mich auch die Türkei positiv. Bei meinem Besuch wird mir klar, dass das Land viel mehr als Döner zu bieten hat. Gut gewürzte Çiğ Köfte oder Pide lösen Geschmacksexplosionen aus, worauf süsse Gebäcke wie Baklava folgen, die mit einer Tasse türkischem Kaffee heruntergespült werden. Auf den Tischen – ähnlich wie in Spanien – stehen oft Teller mit kleinen «Tapas». Man kann alles probieren. Die Mehrzahl der Tellerchen ist meist vegetarisch. Gefällt mir!

Gegessen habe ich nun also wirklich überall gut – und vor allem viel. Nur eben manchmal «herausragend gut» und zwischendurch so lala. Wichtig ist, dass ich jedem Land die Chance gebe, dass es den Weg über meinen Magen in mein Herzen findet. Denn wie sagt man so schön? Probieren geht über studieren.

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