Fernwehgeflüster

Grüsse von unterwegs

Boleromagazin.ch-Redaktorin Vanessa Büchel reist fürs Leben gern. In der Kolumne «Fernwehgeflüster» erzählt sie von berührenden Momenten, witzigen Anekdoten und permanenten Herausforderungen des Unterwegsseins.

Fernwehgeflüster–Kolumne-Bild (1)

Oft heisst es: Früher war alles besser. Stimmt so nicht ganz. Ich würde sagen, früher war einfach alles anders. Schliesslich verändert die Zeit so einiges. Auch beim Reisen hat sich viel getan. So war ich kürzlich mit Freundinnen in der Steiermark. Wir haben einen Ausflug nach Maribor in Slowenien gemacht. Dort sind wir an einem pompösen Postgebäude vorbeikommen, und ich dachte kurz darüber nach, mal wieder eine Karte zu verschicken.

Aber ich tat es nicht. Weil heute macht man das einfach nicht mehr. Oder nur ganz selten, weil man eben schlicht zu faul dafür ist. Zu zeitaufwändig, wenn man doch ganz einfach per Klick Fotos und Grüsse verschicken kann. Alles, was man heute braucht, sind ein Handy und eine gute Verbindung. Dann kann man seine Liebsten, die zu Hause warten, problemlos und schnell erreichen. Sie sind immer auf dem neusten Stand und fühlen sich gar, als ob sie bei der Reise dabei wären.

Der Vergangenheit zuliebe könnte man aber auch mal wieder eine Postkarte verschicken. Für die Daheimgebliebenen ist es ein anderes Erlebnis, die Grüsse auch mal wieder richtig in der Hand halten zu können. Das gute Stück kann man später an den Kühlschrank oder an eine Magnetwand pinnen. Vielleicht sogar mit einem Magnet, das man aus den Ferien mitgebracht hat.

Postkarten haben einfach einen anderen Wert. Sie zeigen auf, dass man sich für jemanden die Mühe gemacht hat, etwas von Hand aufzuschreiben, eine Briefmarke zu kaufen und schliesslich das Ganze einzuwerfen. Von Hand schreiben – das tun wir sowieso viel zu selten. Manchmal tue ich das so wenig, dass ich mich sogar frage, ob ich es noch kann. Aber das verlernt man ja zum Glück nie…

Und selbst halte ich es auch so: Die Fotos, die ich via Whatsapp von Freundinnen aus ihren Ferien bekommen habe, sind schon noch irgendwo – Betonung auf irgendwo – in meiner Galerie, ob ich die dann aber auch noch anschaue, ist eine andere Frage. Die Postkarten, die ich über die Jahre erhalten habe, sind hingegen gut verwahrt an einem sicheren Platz. Wenn ich Lust habe, sie zu lesen, weiss ich genau, wo ich sie finde.

Vielleicht mag es auch etwas Kindliches an sich haben, diese Freude über Postkarten. Mir egal, denn es erinnert mich an frühere Zeiten. Und daran, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt jemand an mich gedacht hat. Manchmal fühlt es sich auch einfach gut an, etwas nostalgisch zu sein. Denn obwohl ich noch jung bin, geht auch mir der Fortschritt hin und wieder etwas zu schnell. Umso besser, auch mal am Alten und Bewährten festzuhalten.

Nun also als kleiner Reminder, da gerade Ferienzeit ist: Schickt euren Liebsten doch mal wieder eine Postkarte. Die Freude wird mit Sicherheit gross sein.

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