Fernwehgeflüster

3 meiner grössten Reise-Fails

Boleromagazin.ch-Redaktorin Vanessa Büchel reist fürs Leben gern. In der Kolumne «Fernwehgeflüster» erzählt sie von berührenden Momenten, witzigen Anekdoten und permanenten Herausforderungen des Unterwegsseins.

Fernwehgeflüster–Kolumne-Bild (1)

Flug verpasst, Lebensmittelvergiftung, Geld geklaut – so schön es ist, die Welt zu entdecken, so gibt es manchmal auch Momente, in denen man sich an den Kopf fassen und aufregen muss. So ist das Leben nun einmal: Es kann nicht immer alles glatt und einwandfrei laufen. Auch unterwegs gilt darum die Devise, dass man aus Fehlern lernt. Und von denen sind mir schon einige unterlaufen. Wer auf meine Kosten lachen will, sollte unbedingt weiterlesen!

Drei Uhr nachts, im Amazonasgebiet in Peru: Meine beste Freundin, mit der ich vier Wochen durch das südamerikanische Land reise, reisst mich unsanft mit einem Kissen aus meinen Träumen. Sie schmeisst es mir an den Kopf, weil ich nichts höre und sehe. Ohrstöpseln und Augenbinde sei Dank. Bei dem tierischen Gebrüll kann ich ohne diese nicht ruhig schlafen.

Es dauert eine Weile, bis ich das leise Rascheln neben meinem Bett auch vernehme. Dann ein gedämpftes Schmatzen. «Was zur Hölle?», entfährt es mir. Erschrocken greife ich zur Taschenlampe, die immer griffbereit neben meinem Kopfkissen liegt. Klar, denn im Dschungel weiss man nie, was einen erwartet. Man muss gewappnet sein – ich danke mir im Stillen selbst für diese Vorsichtsmassnahme.

Sachte drücke ich auf den Einschaltknopf, ein dumpfer Lichtstrahl fällt auf … Ja, was ist das? Ein paar erschrockene Augen blicken uns an. Sie sind riesig, geweitet. Wir schreien, die Affen draussen schreien zurück. Das lemurartige Tierchen hüpft mit einem Satz weg und lässt seine Beute fallen. Meine Früchte, um genau zu sein.

Was ich gelernt habe: Nimm keine Früchte und auch kein Gemüse, einfach nichts zum Naschen, mit in deine Cabin mitten im Dschungel. Das lockt Tiere an und sorgt für unnötige Schreckmomente, auf die ich gut und gern verzichten kann.

Normalerweise prahle ich mit meinem Organisationstalent. Ich liebe es, vor einer Reise Places-I-want-to-visit rauszusuchen und eine klare Liste von Must-sees zu erstellen. Dazu gehört auch das Recherchieren, wie man am besten wann wohin kommt. Aber manchmal macht eben mein Hirn Ferien und denkt: «Das geht schon irgendwie!»

Einer dieser Momente – bei dem ich mir noch heute auf die Stirn schlage – passierte in Italien. Meine Freundinnen und ich wollten auf unserem Roadtrip durch Italien einen Stopp beim Krater des Vesuvs einlegen. Auf dem Weg von Neapel nach Amalfi liess sich das gut unterbringen.

Dass man aber in Corona-Zeiten vielleicht vorher die Tickets besorgen sollte, kam uns nicht in den Sinn. Ist ja ein Naturwunder, da muss man doch nichts bezahlen – oder? Denkste! Das Blöde: Unten am Fusse des Berges wurden wir zwar noch darauf hingewiesen, dass man neu einen Parkplatz online reservieren sollte. Ein paar Handy-Empfang-Probleme und einmal Umkehren später ist das erledigt, aber erst, als wir oben ankommen – also bereits nach der Shuttlefahrt vom Parkplatz zum Eingang des Kraters –, realisieren wir, dass Tickets auch nötig gewesen wären. Der Einlass ist begrenzt und der nächste Slot erst vier Stunden später verfügbar. Na ja, einen Versuch war es wert!

Was ich gelernt habe: Bei eigentlich allen Naturspektakeln, die ich besuchen möchte, sollte ich vorher abchecken, ob es Tickets braucht. Ansonsten passiert es wie in Island schon: Blue Lagoon verpasst – oder eben den Vesuv.

Gut, auf dieses Missgeschick hatte ich keinen direkten Einfluss. Aber es wurmt mich bis heute: Ein paar Tage in New York City – und zwei davon eingeschlossen im Hostel. Warum? Weil ein Blizzard über die Region hinwegfegt. Und das, obwohl meine Omi normalerweise zu sagen pflegt: «Wenn Engel reisen, lacht der Himmel!» Das bezieht sie gern und oft auf mich. Denn meistens habe ich Glück mit dem Wetter, und wenn man schliesslich länger wo ist, dann spielt es keine Rolle, wenn es mal ein, zwei Tage regnet oder stürmt. Aber bei nur wenigen Tagen vor Ort sollten es die Wettergötter schon gut mit einem meinen.

Nun ja, wir stehen im Madame-Tussauds-Museum, als plötzlich die Durchsage kommt, dass die letzte Subway nach Brooklyn in etwa einer Stunde fährt. Wie bitte? Uns war nicht klar, dass wegen eines Schneesturms die ganze Stadt lahmgelegt wird. Aber so war es dann: Eine irgendwie unheimliche Warnung auf dem Handy, dass man das Haus nicht verlassen soll. Panische Menschen. Und eine ausgestorbene Grossstadt.

Ein Spektakel war die Wetterlage auf jeden Fall. Nicht immer sieht man auf dem Times Square Kinder Schneemänner bauen und Leute mit den Langlaufskiern inmitten von Wolkenkratzern über die Strasse gleiten. Ein Bild, das ich sich in meinem Kopf einprägt – ich aber nicht mit meinem Handy festhalten kann, da dieses wegen der Kälte nicht funktioniert.

Was ich gelernt habe: Man kann nicht immer alles planen, und manche Dinge hat man einfach nicht in der Hand. Wenn das Wetter nicht mitspielt, sollte man das Beste aus der Situation machen. Und lachen!

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