Fernwehgeflüster

Packen? Ist ätzend!

Boleromagazin.ch-Redaktorin Vanessa Büchel reist für ihr Leben gern. In der Kolumne Fernwehgeflüster erzählt sie von berührenden Momenten, witzigen Anekdoten und permanenten Herausforderungen des Unterwegsseins.

Fernwehgeflüster–Kolumne-Bild (1)

Es ist jedes Mal das gleiche Dilemma: Bis zur letzten Minute schiebe ich das Packen für die bevorstehenden Ferien hinaus. Dabei buche ich die Auszeit für gewöhnlich lange im Voraus. Dann rückt der Abreisetag näher – nur noch ein Monat, nur noch zwei Wochen, nur noch eine Woche, nur noch ein Tag. Der grosse Countdown. Die Vorfreude steigt. Und trotzdem landet am Ende mein Gepäck erst wenige Stunden vor Abflug in meinem ausgebeulten Koffer.

Warum? Weil ich Angst habe. Angst davor, etwas zu vergessen, zu wenig dabei zu haben oder das Falsche einzupacken. Darum schiebe ich diese Aufgabe immer so lange es geht hinaus! Aber ganz ehrlich: Am Ende kaufe ich sowieso meist so viel Neues ein, dass ich meinem Mitgebrachten kaum noch Interesse schenke. Bei der Rückreise habe ich dann aber immer wieder dasselbe Problem – der Koffer ist zu schwer und meine Reisegspänli, die es irgendwie immer schaffen, mit nur zehn Kilo zu reisen, müssen etwas von mir mit schmuggeln. An dieser Stelle: Danke euch allen dafür, dass ihr mir stets zur Seite steht, wenn sich meine Shopping-Errungenschaften nicht aus den Ferien mitnehmen lassen wollen.

Vor Reisen diskutiere ich häufig mit meinen Freundinnen, was sie denn nun lieber tun: Einpacken, um in die Ferien zu fliegen, oder auspacken, wenn man wieder nach Hause kommt. Die meisten stimmen bei ersterem zu, während für mich klar zweiteres eine viel leichtere Aufgabe zu sein scheint. Logisch, für etwas Schönes zu packen, schürt bei vielen noch mehr Vorfreude. Bei mir löst es nur Gänsehaut aus. In diesen Momenten wünsche ich mir immer eine Superkraft: Einfach alles beamen zu können, was ich grad brauche.

Also meine Antwort ist klar: Ich packe lieber wieder aus. Das erledige ich auch meist schnell nach meiner Rückkehr. Zwar eine traurige Arbeit – alles geht wieder an seinen Platz, muss gewaschen und getrocknet, zusammengefaltet und verstaut werden –, aber um einiges leichter, als Einpacken.

Auch wenn ich nicht wie ein Pack-Guru klingen mag, habe ich dennoch einige Tipps auf Lager. Zugegeben: An alle sieben Ratschläge kann ich mich auch nicht immer halten, aber ich versuche es wenigstens.

Nicht auf den letzten Drücker

Wie sagt man so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Wer früher mit Packen anfängt, ist früher damit fertig und kann im Notfall noch ein paar Dinge austauschen, wenn sich zwischendurch Lichtblitze ergeben. Ein wertvoller Tipp, der mir selbst aber eben nicht liegt. Das gebe ich gerne zu.

Mit Listen arbeiten

Bevor meine Omi in die Ferien geht, holt sie immer eine säuberlich notierte Packliste raus, die sie dann in aller Ruhe durchgeht. So vergisst sie bestimmt auch nichts, denkt an alles. Das habe ich seit meiner Kindheit beobachtet. Bis heute hat sie dieselbe Liste und ich bewundere sie für ihre Disziplin, denn meine Liste, die ich einmal angefangen habe, ziehe ich nur zu Zeiten wieder hervor.

Outfits planen

Meine grösste Hilfe: Ich denke beim Packen in Outfits. Was passt zum pinken Rock, was zum bunten One-Shoulder-Top? Wenn man schon weiss, mit was man welches Kleidungsstück kombiniert, packt man nicht zu viel ein und muss auch beim Anziehen nicht mehr studieren.

Beim Necessaire gut überlegen

Im Kulturbeutel landen häufig grosse, noch gefüllte Tiegel, die schwer sind. Wer seine Kosmetikprodukte in kleine Gefässe abfüllt oder gleich auf Mini-Produkte zurückgreift, hat ein leichteres Necessaire. Man kann auch darauf achten, fast leere Flaschen einzupacken, die man während der Reise dann entsorgen kann. Achtung: Shampoo, Conditioner, Duschgel und Bodylotion stehen in vielen Hotels zur Verfügung.

Rollen statt falten

Seit vielen Jahren schon rolle ich meine Kleider, anstatt dass ich sie falte. So brauchen sie nicht nur weniger Platz im Koffer, sondern zerknittern auch nicht ganz so stark.

Alle Löcher stopfen

Wer viel einpacken will, sollte jeden Zentimeter im Koffer ausnutzen. Sprich, alle leeren Stellen stopfen. So kann man sperrige Schuhe beispielsweise mit Socken füllen oder in Hüte Bikinis unterbringen. Auch in Taschen kann man andere Dinge platzieren.

Nicht übertreiben

Hand aufs Herz: Damit tue ich mir bis heute schwer! Das ist ein Punkt auf der Liste, den ich wirklich nicht erfüllen kann. Dabei wäre es immer gut, wenn man bei der Hinreise ein paar Kilo spatzig hat, damit auch das ein oder andere Mitbringsel noch Platz hat. Wer beim Packen bis ans Limit geht, macht sich für die Rückreise keinen Gefallen. Vertraut mir, ich spreche aus Erfahrung!

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