03. Jun 2020

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Bolero

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Lesen und lernen

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Wie können wir uns für die Black-Lives-Matter-Bewegung starkmachen? Indem wir das Rassismus-Problem verstehen und fundiert dagegen kämpfen. Diese 14 Bücher helfen uns dabei.

Sachbücher

Die preisgekrönte Londoner Journalistin Reni Eddo-Lodge widmet sich in ihrem 2019 erschienenen Buch dem Thema des strukturellen Rassismus. Warum etwa finden auch scheinbar tolerante Menschen den Gedanken an eine dunkelhäutigen Hermine in einem Harry-Potter-Film abwegig? Eddo-Lodge öffnet mit ihren Fragen Augen und ruft auch Weisse dazu auf, aktiv zu werden.

«Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche» von Reni Eddo-Lodge, Fr. 29.90.


Der amerikanische Schriftsteller James Baldwin war 1963 der erste schwarze Künstler auf dem Cover des Time Magazine. Weil sein Buch «Nach der Flut das Feuer» über Rassismus in den USA sofort zum Bestseller wurde. Baldwins Worte, verpackt in zwei berührende Essays, sind leider auch heute noch relevant.

«Nach der Flut das Feuer» von James Baldwin, Fr. 24.90.


Weisses Privileg, Polizeigewalt und die Black-Lives-Matter-Bewegung – all das erklärt Ikema Oluo in ihrem New-York-Times-Bestseller. Sie hat die Gabe, ernste Themen mit Humor anzupacken und sie doch nicht herunterzuspielen. So schafft sie es, extrem wichtige Botschaften auf ehrliche und unterhaltsame Weise an ein breites Publikum zu bringen.

«So you want to talk about race» (Englisch) von Ijeoma Oluo, Fr. 21.90.


Alles hat mit einer Instagram-Challenge begonnen. Unter dem Hashtag #meandwhitesupremacy begannen nach Layla F. Saads Aufruf immer mehr User ihre rassistischen Verhaltensweisen zu teilen, die sie im Nachhinein als Fehler erkannten. Tausende machten mit. Daraus entstand eine Art Guide, der hilft, weisse Privilegien zu erkennen und gegen Rassismus zu kämpfen.

«Me and White Supremacy» (Englisch) von Layla F. Saad, Fr. 29.90.


Die amerikanische Akademikerin Robin DiAngelo befasst sich seit bald zwanzig Jahren mit «Whiteness». In ihrem 2018 erschienenen Buch nimmt sie die Reaktionen von Weissen unter die Lupe, wenn ihre Ansichten über Rassismus in Frage gestellt werden.

«White Fragility» (Englisch) von Robin DiAngelo, Fr. 18.50.


Ein blöder Witz, ein heimlicher Gedanke, ein unüberlegtes Vorurteil – wir alle sind rassistisch. Unsere Welt ist so geprägt: Unsere Geschichtsbücher, unsere Kinderbücher, die Filme, die wir schauen, wie wir sprechen. «Mückenstiche» oder «Mikroaggressionen», so nennt Alice Hasters ihre persönlichen Erlebnisse mit Alltagsrassismus: kaum sichtbar, im Einzelfall auszuhalten, aber in der Summe unerträglich. Mit ihrem Buch «Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen» eröffnet sie den LeserInnen ihre Perspektive, nämlich die einer Schwarzen Frau, die in Deutschland geboren wurde, aber immer wieder für ihr gutes Deutsch gelobt wird. Hasters Buch macht auf den Alltagsrassismus in allen Lebensbereichen aufmerksam und ist darum so lesenswert. «Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen» von Alice Hasters, Fr. 20.40.


«Wir alle können nichts für die Welt, in die wir hineingeboren wurden. Aber jede und jeder kann Verantwortung übernehmen und diese Welt mitgestalten», sagt Tupoka Ogette, eine der erfahrensten Beraterinnen für Rassismuskritik und Antirassismus im deutschsprachigen Raum. In ihrem Hörbuch «Exit Racism» zeichnet sie die Entstehungsgeschichte des Rassismus’ nach und erklärt die fast unsichtbaren rassistischen Strukturen, die sich in unserem Denken und Handeln festgesetzt haben. «Exit Racism. Das Hörbuch» von Tupoka Ogette, über Spotify, iTunes, Google Play etc.


Romane

Wie politisch kann eine Liebesgeschichte sein? Sehr, das beweist Tayari Jones mit ihrem erfolgreichsten Roman, der die Geschichte eines dunkelhäutigen Paares in den USA erzählt. Man verschmilzt mit den authentischen Figuren, versteht ihren Schmerz und fühlt mit, wenn sie unter der allgegenwärtigen Diskriminierung leiden. Ganz ohne Kitsch, aber mit viel Gefühl schafft Jones so einen realistischen Einblick in eine afroamerikanische Familie.

«In guten wie in schlechten Tagen» von Tayari Jones, Fr. 25.50.


Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie macht sich nicht nur gegen Rassismus, sondern auch für Feminismus stark. Ihre Stimme ist in «Americanah» gut zu hören. Der Roman begleitet die junge Nigerianerin Ifemelu, die fürs Studium an der Universität Princeton in die USA zieht. Dort schlägt ihr zum ersten Mal Rassismus entgegen. Sie setzt sich mit der Frage auseinander: Was heisst es, in Amerika schwarz zu sein? Das Buch von 2013 ist heute aktueller denn je.

«Americanah» von Chimamanda Ngozi Adichie, Fr. 36.90.


Dieser Roman gehört zu den Lieblingsbüchern von Barack Obama. Ralph Ellison erzählt die Geschichte eines dunkelhäutigen Mannes in Amerika, der in der Gesellschaft unsichtbar bleibt: «Ich bin unsichtbar, verstehen Sie, weil sich die Leute weigern, mich zu sehen. Wer sich mir nähert, sieht nur meine Umgebung, sich selbst oder die Auswüchse seiner Phantasie – in der Tat alles und jedes, nur mich nicht.»

«Der unsichtbare Mann» von Ralph Ellison, Fr. 40.90.


Der Roman thematisiert Rassismus und weisses Privileg anhand einer dunkelhäutigen Babysitterin und ihrer weissen Chefin. Als die Nanny Emira Tucker von Fremden beschuldiget wird, ihr weisses Hütekind entführt zu haben, müssen sich die Protagonistinnen mit der traurigen Realität der Gegenwart auseinandersetzen.

«Such a Fun Age» (Englisch) von Kiley Reid, Fr. 24.90.


Ein Roman darüber, wer wir heute sind. So steht es im Klappentext von Bernardine Evaristos «Girl, Woman, Other». Sie erzählt darin von zwölf Menschen, meist dunkelhäutigen britischen Frauen. Und obwohl es quer durchs Land und durch die Zeit geht, sind diese Geschichten miteinander verbunden. Weil eben doch alles miteinander zu tun hat. 2019 wurde Evaristo dafür mit dem Booker Prize ausgezeichnet. «Ich bin die erste schwarze Frau, die diesen Preis gewonnen hat», sagte die Schriftstellerin damals. Wir hoffen, dass sie bald nicht mehr die Einzige ist. 

«Girl, Woman, Other» (Englisch) von Bernardine Evaristo, Fr. 16.50.


Um Fragen über die Prägung durch Milieus und Hautfarbe, um Herkunft und Identität geht es in Zadie Smiths Roman «Swing Time»: Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Die Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Bildung und Chancenungleichheit. «Swing Time» (Englisch) von Zadie Smith, Fr. 14.50.


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Brit Bennett wird mit der grossen Toni Morrison verglichen. Im Spätsommer erscheint nun ihr zweiter Roman auf Deutsch, es ist die generationenübergreifende Geschichte einer Emanzipation. Der Roman spielt in Mallard, einem kleinen Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte, und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichem Wesen. Aber in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich… Wem die Zeit bis September zu lang wird, dem sei Bennetts Debüt «Die Mütter» ans Herz gelegt, auch grossartig! «Die verschwindende Hälfte» von Brit Bennett, Fr. 25.50, erscheint am 15. September.