Credits: Michael Naumann / Tiefenpixel

13. Jun 2020

TEXT VON

Nadine Schrick

FOTOGRAFIEN VON

Kunsthalle München

Mugler in München

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Nachdem Thierry Muglers Ausstellung „Couturissime“ im vergangenen Jahr in Kanada die Besucher begeisterte, zeigt auch die Kunsthalle München die spektakulär inszenierte Retrospektive des visionären Couturiers, Regisseurs, Fotografen und Parfümeurs.

Emma Sjöberg während des Videodrehs zu George Michaels Song »Too Funky«, Paris, 1992.
Credits: Patrice Stable

Machen wir eine kleine Zeitreise. Um genau zu sein, drehen wir das Rad rund 50 Jahre zurück. In der Mode waren es damals die Hippies und Bohemians, die in den 1970er Jahren den Ton angaben. Ethno-Muster, luftige Blusen sowie weite, bodenlange Kleider prägten die damalige Mode. Und dann gab es noch einen Herrn namens Thierry Mugler aus dem französischen Strassburg, der diesem verträumten Look futuristische und komplex konstruierte Schnitte sowie skulpturale, elegante und körperbetonte Silhouetten entgegensetzte.

Tiere und Mythen als Inspiration

Nach seiner Ausbildung zum klassischen Balletttänzer studierte er Kostümdesign an der École supérieure des Arts Décoratifs in Strassburg und arbeitete in seiner Freizeit  an seinen eigenen Kreationen. Mit seinen Entwürfen verlieh Thierry Mugler den Menschen, die er einmal als “zerbrechliche, schöne Geschöpfe” bezeichnete, heroische Stärke. In Zeiten des Cocooning, des Rückzugs aus der als unüberschaubar und bedrohlich empfundenen Welt ins häusliche Privatleben, schuf Mugler mit Anleihen aus der Welt der Tiere und Mythen ebenso wie aus dem Universum moderner Technik und Architektur glamouröse Panzer, die Frauen in Superheldinnen verwandelten. Er experimentierte dabei mit innovativen Materialien wie Metall, Plexiglas, Kunstpelz, Vinyl oder Latex. “Mein einziges Mass ist die Masslosigkeit”, sagte Mugler über seine extravaganten Kreationen. Seine Entwürfe wurden von Stars wie Diana Ross, Liza Minelli, David Bowie sowie Céline Dion oder Lady Gaga getragen. Unter anderem schuf er auch die Kostüme für die Touren und Videos von Beyoncé. 

Gisele Bündchen in Thierry Mugler. Credits: Luigi & Iango
Eva Herzigová hinter den Kulissen der Thierry Mugler Fashion Show, Paris, 1992.
Credits: Ellen von Unwerth

Kreationen, die zum Träumen anregen

Doch zurück zur Ausstellung, die vom Montreal Museum of Fine Arts sowie in Kooperation mit dem Maison Mugler initiiert und produziert wurde. In acht Akten werden noch bis zum 30. August 2020 über 150 Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Outfits sowie  Bühnenkostüme, die zwischen 1977 und 2014 entstanden sind, in den Räumen des etablierten Kunstmuseums gezeigt. Hinzu kommen zahlreiche Accessoires, Videos, Fotografien, Entwurfszeichnungen und Archivmaterialien. Kurz: Eine Reise in das Schaffen eines grossen Künstlers, dessen Kreationen zum Träumen anregen.

Claude Heidemeyer fotografiert von Thierry Mugler persönlich. Credits: Thierry Mugler