Mundschutz

17. May 2020

TEXT VON

Rahel Zingg

FOTOGRAFIEN VON

Instagram @mayastepper

Mundschutz und Mode

  • Share

Viele Modefirmen produzieren gerade das relevanteste Kleidungsstück ihrer Geschichte: die Atemmaske. Über DAS Must-Have der Saison und darüber, dass man die Menschen zwar aus der Mode kriegt, doch die Mode nicht aus den Menschen.

Sechs von zehn befragten Personen sprachen sich in einer Tamedia-Umfrage dafür aus, dass das Tragen von Masken in der Schweiz verpflichtend wird, sobald genügend Schutzmasken verfügbar sind. Wenn man in den Supermarkt geht, liegt der Anteil an von Masken und Tüchern verborgenen Nasen und Mündern ganz offensichtlich weit darunter (eventuell ist das auch einer gewissen Eitelkeit. Der Blick auf einen ist manchmal wichtiger als der Blick aus einem heraus).

Bevor Masken zur Selbstverständlichkeit werden könnten, ist es doch gerade eher so: Die einen fühlen sich komisch, weil sie Maske tragen und dem Gegenüber dadurch Gefahr – sie könnten ja infiziert sein – vermitteln. Die anderen fürchten – neben einer Ansteckung – anderen eben dadurch Angst einzujagen, dass sie keine schützenden Accessoires tragen. Der soziale Druck dieser Zeit erschwert das Atmen mehr als ein frisch gewaschenes Stück Stoff vorm Mund.

Besser eitel, als gar nicht

Eitelkeit sei die Höflichkeitsmaske des Stolzes, sagte Friedrich Nietzsche. Also, wenn das so ist, ist ja wirklich wenig verkehrt daran, sich eine Maske auszusuchen, die man als schön, ästhetisch oder typgerecht empfindet. Mit Eitelkeit in die Maskenwahl zu gehen, ist also besser, als gar keine Maske zu tragen. Gerade das geschieht derzeit unübersehbar meistens im Internet. Die Distinktionslinien verlaufen zwischen Stoffservietten mit Haushaltsgummi und Masken aus feinem Stoff, passend zum Kleid. Auswahl gibt es.

Vor allem auch seit Luxusmarken von Salvatore Ferragamo bis Gucci, von Saint Laurent bis Burberry, Armani, Prada und Chanel ihre Produktionsstätten in Europa teilweise auf die Fertigung von Atemschutzmasken und Schutzkitteln umfunktioniert haben. Oder seit Unternehmen wie Kering oder der Zara-Mutterkonzern Inditex, zusätzlich Masken in China und nutzen ihre Logistik, um sie möglichst schnell ausliefern zu lassen. Jeden Tag kommen mehr Unternehmen aus der Modebranche dazu, die sich engagieren, spenden, Krankenhäuser unterstützen.

Stil: existenziell

Ironischerweise leistet nun also jene Branche, die stets für Oberflächlichkeit und Überfluss abgewatscht wird, einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Ausgerechnet die Marken, die sonst die aufwendigsten Designs kreieren, lassen von den gleichen Näherinnen jetzt Massenware ohne jeden ästhetischen Anspruch fertigen, um Leben zu retten. Hätte das irgendwer bei einer der vergangenen Fashion-Week-Partys von Gucci, Saint Laurent oder Chanel orakelt – man wäre vor Lachen aus den Balenciaga-Mules gekippt.

Verwendung und Pflegehinweise

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rät, sich vor dem Anziehen die Hände gründlich mit Seife zu waschen.

Die Hygienemaske soll Nase und Mund bedecken und so befestigt werden, dass zwischen Gesicht und Maske möglichst keine Lücken bestehen.

Vermeiden Sie es, die Hygienemaske zu berühren, während Sie sie tragen.

Chirurgische Masken nach einmaligem Tragen (nach circa 2 Stunden) entsorgen, Stoffmasken nach einmaligem Tragen bei 30 Grad waschen.

Die Hygienemaske alleine gewährleistet keinen vollständigen Schutz. Deshalb sollen Hygienemasken immer zusammen mit anderen Hygienemassnahmen zur Verringerung der Übertragung der Grippe eingesetzt werden.