28. Jan 2020

TEXT VON

Leoni Hof

Seelenbalsam

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«Little Women» kommt am 30. Januar in die Kinos. Wir haben schon mal reingeschaut.

Die Geister mögen sich scheiden an Greta Gerwigs neuestem Kinofilm «Little Women». Ob der wirklich oscarreif ist, entscheiden an dieser Stelle glücklicherweise andere. Nominiert ist die Adaption des gleichnamigen Literaturklassikers in der Königskategorie Bester Film, mit Saoirse Ronan und Florence Pugh wurden auch zwei der Protagonistinnen als beste Hauptdarstellerin und beste Nebendarstellerin nominiert. Weitere Gewinnchancen hat das Werk in den Kategorien Bestes adaptiertes Drehbuch, Bestes Kostümdesign und Beste Filmmusik. Die 92. Academy-Award-Verleihung findet am 9. Februar statt.

Darum gehts: Vier junge Schwestern wollen im Amerika des 19. Jahrhunderts ihr Leben selbstbestimmt gestalten. Jo (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) leben zu einer Zeit, in der die Möglichkeiten für Frauen begrenzt sind. Eine lukrative Hochzeit ist für eine Frau oft der einzige Weg, um gesellschaftlich aufzusteigen. Was der rebellischen Jo nicht in den Kram passt. Sie lebt fürs Schreiben. Einen Mann braucht sie nicht. Und doch, die Liebe wird die vier Schwestern umtreiben. Sie ist das grosse Thema dieses Films, wenn auch nicht unbedingt nur jene zwischen den Paaren. Die Kraft der Familie überstrahlt hier alles und jene der Herzensgüte. Das ist hoch emotional, aber nie kitschig. Die Darsteller sind allesamt überzeugend, die Ausstattung ist zuweilen etwas gar schön. Psychologisch interessant ist die Beziehung zwischen den hitzköpfigen Schwestern Jo und Amy, die auch ein Plädoyer für die Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe ist.

Nur so viel: «Little Women» ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die zeitlos ist und dabei so vollkommen unironisch, dass man dem Frieden erstmal nicht traut. So etwas hat man lang nicht mehr gesehen, man ist gewöhnt an schrille Wendungen, Schock und Schrecken und Figuren, die liebenswert erscheinen, dann aber ihre Fratze zeigen. All das gibt es in diesem Film nicht. Dafür geht er ans Herz, es darf geschluchzt werden und mitgefühlt. Wer danach nicht mit einem warmen Gefühl in der Brust den Kinosaal verlässt, hat wohl statt eines Herzens einen Stein an dieser Stelle.

«Little Women» kommt am 30. Januar in die Kinos.