16. Mar 2019

TEXT VON

Natalie Trüeb

FOTOGRAFIEN VON

Elisabeth Pantaleo, Bon Wongwannawat

Spielraum für Kreativität

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Unter dem Motto «Play with us» sind an der FHNW in Basel die Abschlussarbeiten des Modedesign-Studiengangs präsentiert worden.

Samstagabend im Parkhaus des Basler Grand Casinos. Die Betonwände sind in grelles Neonlicht getaucht, die Musik ist laut. Im Takt des dröhnenden Basses schreiten Models auf und ab, gehüllt in die Entwürfe der Design-Talente von morgen. Dass sich die Fachhochschule Nordwestschweiz zum Ziel gesetzt hat, sich vom konventionellen Modeverständnis und dem damit einhergehenden Schönheitsbegriff und Körperbild zu lösen, ist unschwer zu erkennen. Die gezeigte Mode ist nicht kommerziell, dafür umso kreativer und kritischer.

Folgende Absolventinnen haben uns mit ihren Botschaften besonders überzeugt:

Mehr Mut: Jana Colic – «Es wird einmal»

Aufgewachsen zwischen zwei Welten (Serbien / Schweiz) schafft Jana Colic eine dritte mit ganz eigenen Gesetzen. Übertriebene Proportionen, Pflanzengirlanden als Kleidungsstücke oder Männermodels in Frauenmode sind darin vollkommen akzeptiert. Die Arbeit trägt den optimistischen Titel «Es wird einmal» und soll ein Appell zu mehr Mut sein.

Mehr Imperfektion: Désirée Müller – «Hand me down»

Ungleich geknöpfte Hemden oder fehlende Säume – was für die meisten Designer auf dem Laufsteg undenkbar wäre, rückt Désirée Müller bewusst in den Fokus. «Hand me down» zelebriert das Imperfekte und beweist, dass aus vermeintlichen Fehlern etwas Spannendes, Neues entstehen kann.

Mehr Diversität: Chioma Adeyemi Blaser – «Homecoming»

«Ich bin, weil wir sind» lautet ein afrikanisches Sprichwort. Dieses Verhältnis des Einzelnen zum Ganzen hat Chioma Adeyemi Blaser zu «Homecoming» inspiriert. Geschickt verknüpft sie scheinbar gegensätzliche Komponenten zu einer stimmungsvollen Einheit. Kleidung fungiert dabei als Symbol für die Gesellschaft, welche vom Zusammenspiel verschiedener Kulturen profitiert.

Mehr Liebe: Janine Reitmann – «Was du getötet hast, sollst du auch lieben»

Janine Reitmanns Vorsatz: Alles mit Liebe zu tun – nicht zuletzt die künstlerische Arbeit. Sie ist der Überzeugung, dass nur wer ein Werk selbst liebt, den in der Kunst und Mode notwendigen Mut aufbringen kann. Ausserdem sei dies «der einzige Weg, ihm die Gelegenheit zu Grösse und Bestand zu geben». Selbstsicher präsentiert sie eine Neuinterpretation von traditionellem Kulturgut.

Mehr Fühlen: Stephanie Herbstrith – «How to get in touch»

Im digitalen Zeitalter findet unser Kontakt mit der Mode zu einem Grossteil via Bilder statt. «Die Haptik, das reale Berühren und das Gefühl beim Tragen verschwinden immer mehr», kritisiert Stephanie Herbstrith. Für ihre «How to get in touch»-Kollektion hat sie mit unterschiedlichen Materialien gearbeitet und möchte so den Fokus zurück auf das Kleidungsstück als Erlebnis für die Sinne lenken.