Ein privates Gartenparadies in Rapperswil-Jona SG

Im Rahmen der Aktion «Offener Garten» laden Privatgärten zum Bestaunen, Schlendern oder Fachsimpeln ein. Bolero hat ein Gartenparadies in Rapperswil-Jona SG besucht.

Offener Garten 1

«Mein Mann kümmert sich ums Rasenmähen, und ich mich um den Rest», sagt Margrit Simon (58) schmunzelnd. Bolero hat die passionierte Gärtnerin in ihrem rund 1000 Quadratmeter grossem Gartenparadies in Rapperswil-Jona SG besucht. Dort wohnt sie seit rund elf Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Andrea C. Mazzocco (64). Er stimmt mit einem liebevollen Blick zu: «Der Garten braucht unregelmässig viel Pflege, und hauptsächlich kümmert sich Margrit darum.»

Andere Unterstützung bei der Pflege der grossen Grünfläche holt sich das Paar nicht. «Wir machen alles allein. Der grösste Anteil steht ja sowieso im Frühling an, wenn alles geschnitten werden muss», meint die 58-Jährige. Heute hat alles seinen Platz gefunden und ist eingewachsen, wie Simon erklärt. «Ganz zu Beginn gab der Garten schon noch mehr Arbeit.»

Das Paar lebte früher in Meilen ZH, wo der Platz für Simons Leidenschaft irgendwann zu eng wurde. «Am Ende hatte nicht mal mehr der Liegestuhl auf dem Gras Platz», erzählt die ehemalige Reisefachfrau. Da habe ihr Mann gemeint, dass es an der Zeit wäre, mehr Platz für die vielen Pflanzen zu schaffen und ein grösseres Zuhause zu finden.

Schuld an ihrer Leidenschaft ist ihr Mann, wie Simon lachend berichtet. «Jemand muss ja schuld sein. 2004 organisierte mein Mann eine Gartenreise nach England, wo wir am Morgen und Nachmittag je einen Garten besuchten.» Als Kind schimpfte ihre Mama immer darüber, dass die heute 58-Jährige nur knapp das Gras von einer Rose unterscheiden konnte. «In England ging für mich eine neue Welt auf. Dort hatten sie Pflanzen, die ich so noch nie gesehen hatte. Mich faszinierte diese Vielfalt sofort.»

Heute hat ihr Garten ein richtiges Konzept: «Es ist ein wild-romantischer Garten mit englischem Touch, aber mit einer gewissen Struktur», beschreibt Simon ihre grüne Oase.

Die Bereiche sind farblich unterteilt. Beim Rundgang durch den Garten zeigt die gebürtige Zürcherin immer wieder auf sogenannte Gartenzimmer, oder Abteilungen: «Ich gebe viel acht auf ein geordnetes Farbkonzept. Im grossen Beet blüht alles in Weiss, Rosa, Blau, Pink oder Violett. Der Eingangsbereich hält sich in Weiss. Und hinten habe ich einen gelb-orangen Garten, weil das die Lieblingsfarben meines Mannes sind und er von seinem Büro aus dorthin sieht.»

Mazzocco hat sich im Bereich der Informatikberatung selbstständig gemacht und arbeitet von zu Hause aus. Heute ist er teilpensioniert und hilft seiner Frau ab und zu im Grünen: «Der Garten selbst ist nicht mein Hobby, aber ich habe eine Leidenschaft für Schneeglöckchen entwickelt.» Die geht so weit, dass er im Mai 2019 den Verein Galanthophile Schweiz gründete, um unter anderem deren Einfuhrbedingungen zu verbessern und so eine grössere Artenvielfalt in die Schweiz zu bringen. «Als Informatiker waren Gartenarbeiten anfangs nicht ganz leicht für mich, da Geduld gefragt ist. Es gibt keinen Knopf, den man drücken kann, um einen Neustart oder ein Update zu machen. Wenn ein Gartenbesucher mal auf ein Schneeglöckli tritt, dann muss man wieder ein Jahr warten», sagt Mazzocco. Und seine Frau fügt hinzu: «Ich war früher auch sehr ungeduldig, da ich in der Reisebranche arbeitete und als Reiseleitung immer sofort reagieren musste, wenn etwas nicht stimme.»

Als das Paar 2010 nach Rapperswil-Jona zog, stand es vor einem grossen Projekt: «Wir mussten zuerst alles roden lassen, weil der Garten total zugewachsen war», erinnert sich Simon. 32 prall gefüllte Lastwagen wurden abtransportiert.

Heute summt und brummt es überall in der grünen Oase. Das Highlight des Gartens ist ein rund 23 Meter langes Beet, in dem unter anderem unterschiedliche Rosenstöcke stehen. «Hier ist alles sehr dicht – eine wahre Bienenweide!»

Simons persönlicher Lieblingsteil sind aber die drei Rosenbögen beim Eingang des Gartens. «Davon habe ich schon immer geträumt!»

Während unseres Rundgangs macht auch ein Kätzchen seine Streifzüge durch den Garten. «Sie ist uns zugelaufen. Ich bin sehr tierlieb und lasse auch bewusst über den Winter alles stehen. So können die Kleinstlebewesen überwintern.» Erst kürzlich hat Simon einen Igel verabschiedet, der sich in ihrem Beet ein Nest eingerichtet hatte. «Er schnaubte und hinterliess seine Häufchen, aber war ganz niedlich.» Auch Vögel gibt es im Gartenparadies von Simon und Mazzocco zur Genüge, die hier ihr Futter finden.

Die Leidenschaft Garten bedeutet Simon sehr viel: «Die Zeit im Grünen erdet mich und lehrt mich, zu beobachten und geduldig zu sein.» Die Schönheit, der Duft und die Vielfalt sind Punkte, die sie schätzt. Auch der Austausch mit anderen Leuten, welche dieselbe Leidenschaft teilen, geniesst die gebürtige Zürcherin sehr.

OFFENER GARTEN

Die Aktion «Offener Garten» ermöglicht es, durch Privatgärten zu schlendern. So können Gartenbegeisterte sich austauschen und fachsimpeln. Auch Inspiration erhält man beim Besuch eines fremden Gartens.

Die Mitglieder sieben schweizerischer Garten- und Pflanzenvereine und der Verein Pro Igel öffnen ihre Gartentore. Die Möglichkeit, eines der Gartenparadiese zu besuchen, besteht die gesamte Gartensaison über. Am 12. und 13. Juni finden die nächsten «nationalen Tage» statt.

Die Besuchszeiten für den Garten von Margrit Simon (58) und Andrea C. Mazzocco (64) findest du hier.

Simon bietet ausserdem Afternoon Tea an, bei dem sie alles selbst zubereitet. In einem kleinen Laden, der sich in einer umgebauten Garage befindet, können ausserdem Gartenaccessoires gekauft werden. Die Parkmöglichkeiten sind auf fünf Plätze beschränkt. Beim Kulturzentrum «Kreuz» im Dorfzentrum gibt es ausreichend Parkmöglichkeiten. Von dort aus sind es etwa zehn Gehminuten zum Garten von Simon und Mazzocco.

Weiter zitiert Simon: «Garten ist nie Sein, sondern immer nur Werden.» Der Garten sei für sie etwas, das nicht statisch, sondern nie fertig und immer in Bewegung ist. «Diese Veränderung finde ich so faszinierend.»

Mazzocco fügt hinzu: «Die Arbeit im Garten ist nicht berechenbar. Man weiss nie ganz genau, was man machen muss.» Es sei ein Ausprobieren und Schlüsse ziehen – das können der Informatiker eigentlich ganz gut. «Aber mit dem Abwarten, wenn es nicht läuft, damit tue ich mich schwer.»

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