So oft sollte man ihn auftragen

Macht Lippenbalsam süchtig?

Besonders im Winter leiden viele unter spröden Lippen. Ein pflegender Balsam kann dann wohltuend wirken. Doch wie oft sollte man Lippenpflege täglich höchstens auftragen und kann sie süchtig machen? Wir haben nachgefragt.

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«Nein, eine Abhängigkeit wie beispielsweise bei Drogen oder Medikamenten entsteht bei Lippenbalsam nicht», entwarnt Malte Schmelter, Dermatologe in der Skinmed Klinik für Dermatologie und Plastische Chirurgie in Lenzburg AG.

Starke Wörter wie Sucht oder Abhängigkeit würde der Hautarzt in Bezug auf Lippenbalsam nicht verwenden, da aufgrund der Inhaltsstoffe keine psychologische Abhängigkeit entstehen könne. «Es handelt sich vielmehr um eine ‹Sucht› nach dem Gefühl der sanften Lippen», erklärt Schmelter.

Greife man mehrmals in der Stunde zu einem Lippenbalsam, könne man sicherlich von einem zwanghaften Handeln sprechen. Der Experte gibt ein Beispiel: «Es ist ähnlich wie bei einem Waschzwang, wenn man überdurchschnittlich oft seine Hände wäscht.»

Laut Schmelter liegen auf den Lippen im Vergleich zur restlichen Gesichtshaut keine beziehungsweise kaum Talg- und Schweissdrüsen, welche die Haut rückfetten können.

«Ausserdem stehen die Lippen meist etwas aus dem Gesicht hervor, wodurch sie als sogenannte Sonnenterrasse für Sonnenstrahlen dienen. UV-Strahlung als auch kaltes und sehr wechselhaftes Wetter sorgen dafür, dass die Lippenhaut strapaziert und spröde wird», sagt der Dermatologe. Und diesem trockenen und spröden Gefühl wollen wir entgegenwirken, indem wir cremen.

«Eine Angabe zur Höchstdosis gibt es nicht», stellt Schmelter klar. Bei der Nutzung von Lippenbalsam sei aber darauf zu achten, dass es nicht zu exzessivem Nutzen über mehrere Tage kommt.

Das komplette Abgewöhnen kann laut dem Experten ganz schön schwerfallen, da man sich durch die häufige Nutzung von Pflege an sehr weiche Lippen gewöhnt hat. Wer zu häufig nachfettet, verliert irgendwann das Gefühl für die natürliche Trockenheit der Lippen. Der Hautarzt beschreibt die Situation: «Sobald man die Lippen mehrere Stunden nicht einbalsamiert, werden sie wieder etwas trockener und es besteht der Drang, nachzuschmieren.

Wenn man dann auf das Nachschmieren verzichtet und stattdessen die Lippen mit der Zunge befeuchtet, kann das die Trockenheit der Lippen aber verschlimmern.» Speichel habe im Grunde nur eine kontraproduktive Wirkung, da er verdunstet und der Lippenhaut somit zusätzlich Feuchtigkeit entzieht.

Nicht nur auf die Häufigkeit der Nutzung von Lippenbalsam kommt es darauf an. Auch welchen Stift man benutzt, spielt eine Rolle. So gibt es einige Inhaltsstoffe, die man besser nicht in der Pflege haben will. «Mineralöle trocknen die Lippen zusätzlich aus und werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit mit einem ‹karzinogenen Risiko› behaftet, können also krebserregend sein», führt Schmelter an.

Wie man erkennt, dass in einem Produkt Mineralöle enthalten sind? Meist werden sie mit Begriffen wie «Paraffin», «Paraffinum liquidum», «Ceresin», «Cera microcritallina», «Mineral Oil» oder «Petrolatum» angeführt, wie der Experte erklärt. «Diese Inhaltsstoffe sollte man also besser meiden oder sie sollten nur in sehr geringem Anteil vorhanden sein.» Viele Naturprodukte würden gänzlich auf Mineralöle verzichten, und auch viele grosse Hersteller mittlerweile auf eine ordentliche Zusammensetzung achten.

Beim Aussuchen eines Lippenbalsams sollte man laut dem Hautarzt zudem berücksichtigen, dass er einen Lichtschutzfaktor enthält. «Auch die Lippen können in der Sonne verbrennen. Durch zu viel über Jahrzehnte akkumulierte Sonneneinstrahlung kann auch hier Hautkrebs entstehen», so Schmelter.

Im Endeffekt könne Lippenbalsam auch zu Allergien führen, die aber hochindividuell vorkommen und auch nach monate- oder jahrelanger Nutzung noch entstehen können. Der Dermatologe empfiehlt darum: «Nicht jeder verträgt jedes Produkt. Am besten sollte jedes genutzte Hautpflegeprodukt so wenig Inhaltsstoffe wie möglich, aber so viele wie nötig beinhalten.»

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