Ginny Litscher wohnt inmitten ihrer Kunst

In Ginny Litschers Bildern kann man sich verlieren. Sie sind fantasievoll, bunt und detailreich. Bolero hat die Zürcher Künstlerin in ihrem Zuhause besucht, wo sie Wohnen, Showroom und Atelier unter einem Dach vereint.

Künstlerin Ginny Litscher

Man merkt sofort, dass Ginny Litscher (37) für die Kunst lebt. In jedem Zimmer ihrer Wohnung in Zürich hängen ihre Bilder. Auf dem Sofa stehen Kissen mit ihren Designs. Und auch die Vorhänge tragen ihre Handschrift. «Vor dieser Wohnung habe ich nie viel in die Einrichtung investiert. Ich wollte immer möglichst schnell aufbrechen können», sagt Litscher zu Bolero.

Die Künstlerin lebte bereits in England, Italien und Spanien. Doch hier im Zürcher Kreis Vier ist sie wieder daheim angekommen. Hier ist sie aufgewachsen, hier fühlt sie sich nun wieder zu Hause. «Es war ursprünglich nicht mein Plan, hierzubleiben, als ich von Spanien wieder in die Schweiz kam.» Dort hatte sie für Zara Home designt, doch die Arbeit, neue Projekte und vor allem auch ihre Familie und ihr ehemaliger Freundeskreis hielten Litscher dann am Ende in der Schweiz. «Meine Eltern leben auch in Zürich. In dieser Wohnung bin ich nun endlich angekommen», meint die Designerin mit einem Lächeln.

Eingerichtet hat Litscher die etwa 80 Quadratmeter grosse Wohnung, in die sie vor etwa eineinhalb Jahren eingezogen ist, ganz nach ihrem Geschmack. «Man weiss ja nie, wie lange man an einem Ort bleibt, aber dieses Mal wollte ich mich wirklich daheim fühlen.» Farbig und mit einem eigenen Touch – so beschreibt die Künstlerin ihr Zuhause. Irgendwie sei es überladen, aber doch nicht wirklich. «Mir waren die Farben sehr wichtig. Alles sollte harmonieren und meine Bilder noch mehr zur Geltung bringen. Daher habe ich auch viel Zeit in Wandfarben investiert.»

Gefüllt sind die Räume mit Antiquitäten, die Litscher schon länger besitzt. Diese hat die Designerin mit Schmuckstücken ergänzt, die sie im Internet gefunden hat. «Für einmal wollte ich nicht bloss Ikea-Möbel kaufen, um einfach den Raum zu füllen.» Das absolute Highlight in Litschers Dreizimmerwohnung sind aber ihre Bilder und Designs, die jeden Raum zieren und wahre Eyecatcher sind.

In Litschers Wohnung prangen Tiger, Raben, Schlangen auf Leinwänden, Seide, Möbel. Die Designs, die Litscher auf verschiedene Textilien drucken lässt, sind immer Teil eines noch viel grösseren Bildes. Meist entsteht zuerst das Motiv, das dann zum Druck wird, und die Künstlerin vollendet das Werk im Anschluss. Manchmal ist es aber auch das ganze Bild, aus dem sie einen Ausschnitt wählt. Bis Litscher ein Bild ganz fertigstellt, dauert es für gewöhnlich ein paar Monate, aber manchmal auch mehrere Jahre. «An meinem Lieblingsbild – das grosse mit den Raben – habe ich über zehn Jahre hinweg gearbeitet. Man sieht es zwar nicht auf den ersten Blick, aber meine Werke sind sehr detailliert und vor allem auch vielschichtig.» Das liebt die Künstlerin an ihren eigenen Bildern am meisten; es gibt im Gezeichneten so viel zu entdecken. «Ich würde sagen, das ist es, was meine Kunst einzigartig macht: Der enorme Zeitaufwand, den ich investiere.» Und auch ihr aussergewöhnlicher Stil, ihre Handschrift, den man sofort wiedererkennt, ist etwas ganz Spezielles.

In den vergangenen Monaten hatte die gebürtige Zürcherin, wie die meisten von uns, plötzlich so viel mehr Zeit. Während Corona konnte sie endlich Bilder fertigstellen, die sie schon so lange zu Ende malen wollten. «Diese Zurückgezogenheit hatte auch etwas Gutes. Ich hatte viel Zeit zum Zeichnen und habe neue Kreativität geschöpft», so Litscher.

Natürliche habe sie während Corona auch gewisse Projekte verloren, andere wurden auf dieses Jahr verschoben. 2021 läuft für die seit 2011 selbstständige Künstlerin also dementsprechend gut.

Die Vielfalt von Litschers Arbeit ist gross. Am meisten Spass machen der Designerin aber Einrichtungsprojekte. Dort kann sie sich grossflächig austoben und eine ganz neue Welt erschaffen. Eine solche Chance bekam sie auch erst kürzlich vom Grand Resort Bad Ragaz, wo sie einen ganzen Raum gestalten durfte. «Das Zimmer ist sehr gefragt und wird häufig gebucht – das freut mich extrem.» Dort wird die ganze Bandbreite an Litschers Arbeiten präsentiert, von Bettwäsche über Vorhänge bis hin zur Tapete. Im Spa des Hotels wird ausserdem ihre Bademode verkauft.

Dass sie einmal Künstlerin sein wird, wusste Litscher schon als kleines Mädchen. «Die Leute erzählen mir oft, dass ich schon als Kind meinte, dass ich einmal Designerin werden will.» Sobald die heute 37-Jährige damals von der Schule heim kam, nahm sie einen Stift in die Hand und begann zu zeichnen. Dass sie aus einer Künstlerfamilie stammt, habe sicherlich auch zu ihrem Werdegang beigetragen, da sie sich stets ausleben konnte.

Ihren Traum lebt sie nun rund um die Uhr. Wenn sie morgens nach dem Aufstehen in der rosafarbenen Küche vor ihrem eigenen Bild den Kaffee schlürft. Wenn sie sich im eigens designten Badezimmer frisch macht. Oder wenn sie sich abends wieder in die Bettwäsche mit ihren Motiven kuschelt. «Ich bin enorm dankbar dafür, dass meine Arbeiten anderen Leuten Freude schenken, dass ich für andere Personen Räume nach meinen Vorstellungen designen darf, und sie sich darin dann auch wohlfühlen», so Litscher.

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