Klebeband als Faltenkiller: Das steckt hinter dem Anti-Aging-Trend Taping

Falten einfach wegkleben? Das verspricht das Kinesio Face Taping. Mithilfe von Klebeband geht man dabei gegen Hautalterung vor. Wir haben bei einem ästhetischen Chirurgen nachgefragt, ob der Beauty-Trend hält, was er verspricht.

Kinesio Face Taping

Eigentlich ist es eine Methode, die hauptsächlich in der Orthopädie zum Einsatz kommt: Beim Kinesio Taping wird Klebeband auf der Haut angebracht. Diese Therapieform findet häufig bei Sportverletzungen, wie zum Beispiel dem Tennisarm, Verwendung. Doch seit Längerem schwören auch Beauty-Addicts auf die Tapes. Das Klebeband soll die Gesichtsmuskulatur kräftigen und entspannen, was bei der Vorbeugung von Falten helfen soll. Eine günstige und schmerzfreie Alternative.

Die Methode läuft gar zur Hochform auf: Auf Youtube gibt es zahlreiche Erklärvideos, online kann man die fertig zugeschnittene Gesichtspflästerchen kaufen. Auch Taping-Workshop werden angeboten. Konstantinos Pilichos, Facharzt FMH für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie beim Schönheitsinstitut FineSkin, empfiehlt vor der Anwendung zu einer Beratung: «Es ist wichtig, die Stripes korrekt anzubringen. Bei Interesse empfehlen wir, dass man sich von einer professionellen Kosmetikerin beraten und behandeln lässt.»

Generell warnt der Facharzt davor, die Gesichtspflästerchen zu Hause selbst anzuwenden: «Da wir keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirkung kennen, sind wir skeptisch, dass das Face Taping einen wirklichen Nutzen über den rein psychologischen Aspekt hinaus hat. Wir raten unseren Klientinnen vom Eigengebrauch ab.» Ausserdem halte der Effekt sowieso nur wenige Stunden an und sei nicht von Dauer.

Was genau passiert eigentlich mit der Haut, wenn sie mit den Tapes beklebt wird? «Die Klebebänder fixieren überwiegend die obere Hautschicht. Jede Bewegung verschiebt das darunterliegende Gewebe, ähnlich wie bei einer Massage. Dabei wird ein permanenter Reiz erzeugt, der den Muskeltonus harmonisiert und hilft, Verspannungen zu lösen», erklärt Pilichos. Ausserdem würden sich die Klappen der Lymphgefässe leichter öffnen, was zur Folge hat, dass mehr Flüssigkeit aus den unterschiedlichen Geweben in die Lymphgefässe aufgenommen wird. Der Facharzt fügt an: «So wird die lokale Durchblutung angeregt.»

Im Grunde würden die Tapes also ähnlich wie eine Bindegewebsmassage wirken. Sie haben einen Einfluss auf innere Organe und unterstützen den Körper darin, die Muskulatur zu entspannen, wie Konstantinos Pilichos ausführt. Weiter sagt der Facharzt: «Tägliches Beauty-Taping kann die Hautstrukturen verbessern, Faltenbildung herauszögern und unsere Haut besser mit Nährstoffen versorgen.» Er betont aber, dass er keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirkung kennt.

Dieselbe Wirkung wie Botox oder Hyaluron kann das Klebeband nicht erzielen, wie der Facharzt weiss: «Taping wirkt über die Haut auf den Muskel, Botox und Hyaluron setzen direkt am Muskel an.» Darum halte die Wirkung der Gesichtspflästerchen auch nur wenige Stunden an und man müsse täglich tapen, um dauerhaft einen Glätte-Effekt zu erreichen.

Doch Pilichos betont auch die Vorteile der Methode: «Es kostet wenig und ist absolut bio, denn man führt dem Körper keine Wirkstoffe zu.»

Wer das Taping doch zu Hause selbst ausprobiert, sollte laut dem Facharzt die folgenden Dinge beachten: «Die Gesichtshaut sollte gut vor- und nachbehandelt werden. Effektiver wird das Taping, wenn man die Haut zuvor gereinigt, anschliessend mit einer Wirkstoffcreme gut genährt und massiert, dann gut trocken getupft hat.» Beim Aufsetzen der zugeschnittenen Tapes für Zornes-, Stirn-, Oberlippen-, Augen oder Nasiolabialfalten dürfe die Haut nicht gezerrt werden, sondern solle vorsichtig mit zwei Fingern gezogen und dann das Klebeband aufgesetzt werden. «Das Tape sollte für mindestens vier Stunden oder im Idealfall über die ganze Nacht hinweg angebracht sein.»

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