17. May 2019

TEXT VON

Leoni Hof

Almodóvar schliesst den Kreis

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Der neue Film von Pedro Almodóvar startet in den Kinos. Wir raten: unbedingt anschauen!

Pedro Almodóvars neuer Film «Dolor y Gloria» trägt autobiografische Züge. Von was solle man sich sonst inspirieren lassen, fragte der spanische Regisseur einmal. Der Film ist heisser Anwärter auf die Goldene Palme in Cannes und läuft nun bei uns in den Kinos an. Darum gehts: Die Einladung, seinen grössten Film an einer Retrospektive in Madrid vorzustellen, bewegt den alternden Filmemacher Salvador (gespielt von Antonio Banderas) dazu, sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Freundschaft, Liebe und Leidenschaft ziehen sich als prägende Elemente durch sein Leben, begleitet von Schmerz, der es ihm früher ermöglichte, zu wachsen und im Leben voranzukommen, ihn heute aber zurückhält und einsperrt. Dabei realisiert er, dass Realität und Kreation in seinem Leben untrennbar verbunden sind.

Nackt habe er sich gefühlt vor der Kamera, sagt Antonio Banderas in einem Interview. In «Dolor y Gloria» erleben wir den Schauspieler so fragil wie selten. Und vielleicht in einer seiner besten Rollen. Dabei habe er gerade hier alles beiseite gelegt, was ihn sonst als Schauspieler ausmache. Alle Tricks, die er sich in fast 40 Jahren Leinwandkarriere angeeignet habe. Sein Mut steht Banderas ausgezeichnet. «Dolor y Gloria» ist zart und intensiv zugleich, melancholisch. Es geht um Verlangen und um Versöhnung, um Schmerz – den des Rückens und den des Herzens – und um Erfüllung. Um Liebe, klar, die erste Liebe und die Liebe zur Mutter. Und natürlich die zum Kino. Mit dieser Rückschau wolle Almodóvar «offene Kreise schliessen», dies ist der letzte Teil der Trilogie über sein Leben. Gelungen ist ihm vielleicht der beste Film seiner Karriere.

Der spanische Regisseur Almodóvar ist und bleibt ein Meister der Intimität, auch sein Cast kann sich wie immer sehen lassen. Neben Banderas spielen eine zu Tränen rührende Penélope Cruz und der charismatische Asier Etxeandía.

Direkt von der Croisette ins LunchKino: «Dolor y Gloria» läuft am 17. Mai am Filmfestival in Cannes und im Zürcher Lunchkino an, ab dem 23. Mai in allen Deutschschweizer Kinos.