16. Apr 2019

TEXT VON

Leoni Hof

Vom Wirklichen zum Möglichen

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Castorf inszeniert Dürrenmatt: «Die Gerechtigkeit lässt sich nur noch durch ein Verbrechen wiederherstellen.» Mit diesen Worten eröffnet der Anwalt Spät sturzbetrunken Friedrich Dürrenmatts Anti-Kriminalroman. Zwei Jahre vorher erschiesst Kantonsrat Kohler im von Politikern, Finanzmanagern und Künstlern besuchten Restaurant «Du Théâtre» den Literaturprofessor Winter. Kohler lässt sich daraufhin, bestens gelaunt, verhaften. Vom Gefängnis aus beauftragt der Multimillionär und passionierte Billardspieler den angehenden Anwalt Spät, seinen Fall – unter der Annahme, er sei nicht der Mörder gewesen – zu untersuchen. Dürrenmatt entlarvt in «Justiz» mit bitterbösem Humor, wie Rachemord zur Antwort auf ein gesellschaftliches System werden kann, in dem zwar das Gesetz, Gerechtigkeit hingegen keine Rolle spielt. Frank Castorf, der das deutschsprachige Regietheater fundamental geprägt hat, setzt sich zum ersten Mal künstlerisch mit dem grossen Schweizer Autor auseinander.

Alle Daten und Tickets unter schauspielhaus.ch/de/play/1045-Justiz