28. May 2019

TEXT VON

Leoni Hof

Von alten Zöpfen und neuen Lieben

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Diese drei Neuerscheinungen erzählen von starken Frauen.

Von überbesorgten Eltern liest man oft, über eine Helikopter-Oma schreibt Alina Bronsky in ihrem neuen Roman «Der Zopf meiner Grossmutter». Geboren in Russland, lebt die Autorin seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland und erzählt seit ihrem Debütroman «Scherbenpark» melancholisch-heiter über gesellschaftliche Brüche und was die mit dem Leben ihrer Protagonisten so machen. Ihr neues Buch ist dabei nicht ganz so stark wie ihr Erstling oder das zuletzt erschienene «Baba Dunjas letzte Liebe», das für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert wurde. Und doch ist «Der Zopf meiner Grossmutter» lesenswert, weil unterhaltsam. Besagter Zopf ist flammend rot und baumelt über den Rücken von Max’ Großmutter. Die soll früher eine gefeierte Tänzerin gewesen sein, nun hat sie im Flüchtlingswohnheim ein hart-herzliches Terrorregime errichtet. Wettert über das deutsche Schulsystem, Süssigkeiten und ihre Mitmenschen und beschützt ihren einzigen Enkel vor dem schädlichen Einfluss der neuen Welt. In der sie versucht, Fuss zu fassen, die ihr jedoch immer mehr entgleitet. So bekommt sie als Letzte mit, dass ihr Mann sich verliebt. Erzählt ist die Geschichte aus der Perspektive des Enkels Maxim, der sich durch den Wahnsinn der Erwachsenen navigiert und schliesslich zu einer ganz eigenen Sicht der Dinge findet. «Der Zopf meiner Grossmutter» ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Die Weltgeschichte kennt kaum Heldinnen, voilà, hier kommen sie: Schon mal von der mächtigsten Verbrecherkönigin New Yorks gehört? Oder der russischen self-made Panzerkommandeurin auf Nazi-Jagd? Von der Jiu-Jitsu-Suffragette, der gefährlichsten Piratin der Weltmeere, der … nein? «Kick-Ass Women» von Mackenzi Lee versammelt sagenhafte Heldinnen und ihre wahren Geschichten – actionreich, informativ und ein schillernder Appell an alle Frauen, nie an der eigenen Grossartigkeit zu zweifeln. «Kick-Ass Women» ist bei Suhrkamp Nova erschienen.

«Inspiration ist eine unberechenbare Grösse, die Muse, die einen zur Geisterstunde heimsucht.» Sie wird die Diva der Punk-Poesie genannt, Patti Smith, mittlerweile 72, legt mit «Hingabe» eine Hommage ans Schreiben vor. Und die ist so poetisch wie persönlich. Das Buch begleitet Smith auf ihren Streifzügen durch Paris, es erzählt von ihren Träumen, zeigt einige ihrer Fotografien, zu lesen sind Gedichte – und Smiths erste fiktionale Erzählung, die Geschichte über eine geheimnisvolle Eisläuferin. Hier schreibt eine, die ständig reisend auf der Suche ist, ihren Sound aber längst gefunden hat. «Hingabe» ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.