23. Jun 2019

TEXT VON

Priska Amstutz

Wieso ist es hier so ruhig?

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Die Kinder sind für 4 Tage bei den Grosseltern, auf dem Programm steht Tiefenentspannung à discretion. In diesen drei «Adults Only»-Hotels gelingt dies so gut, dass man beinahe die Namen der kleinen Daheimgebliebenen vergisst. Nur beinahe, natürlich.

Griechenland eignet sich hervorragend für einen Kurzurlaub ohne Kinder. Tolles Essen, griechischer Wein, betörende Sonnenuntergänge. Die Boutiquehotel-Kette Casa Cook hat denn auch in diesem Land die ersten beiden Häuser eröffnet, auf Rhodos und Kos.

Am dritten Tag im Casa Cook liegen wir auf den Strandbetten, ich bin kurz vor dem Ende des zweiten (dicken!) Romanes angelangt, als mir plötzlich auffällt, dass keine Kinder uns umgeben. «Kein Wunder, bei einem «Adults Only»-Hotel, höre ich vom Nachbarbett. Ich bin an Kinderlärm gewohnt und störe mich nicht daran. Hier aber stelle ich fest, dass die Stille schon sehr zur Erholung beiträgt. Mehr aber noch, dass sich die ungewollte aber nicht regulierbare Sorge um fremde, dreijährige Nichtschwimmer gar nicht erst einstellt.

Als ich einige Tage mit einer Freundin statt mit Kindern im Les Roches Rouges in der Nähe der südfranzösischen Ortschaft St. Raphael verbrachte, bemerkte ich einen weiteren positiven Aspekt des Reisens ohne Kinder: man muss sich keine Sorgen um das wunderschöne Interieur der exquisiten Hotels machen. «Nein, nicht anfassen, nur mit den Augen schauen» habe ich sagenhafte drei Tage lang kein einziges Mal sagen müssen! («Mit was schaut man denn sonst», würde der schlaue Nachwuchs fragen, und trotzdem das Cheminéebesteck auf den Mosaikboden fallen lassen, beispielsweise).

Am Frühstückstisch im Valser Bed & Breakfast Brücke 49 kam ich einst ins Gespräch mit meinen Tischnachbarn, einem sympathischen Paar in meinem Alter. Ich hatte mich zum Schreiben in das für Gemüt und Auge ruhige Haus an der Vals zurückgezogen, sie waren das erste Mal für zwei Nächte weg von ihren Kindern. An das Frühstück hängten wir gemütlich einige Tassen Tee, und als wir uns am Abend in der Stube wieder begegneten, führten wir das Gespräch fort als wären wir alte Freunde. Welche wir in der Folge tatsächlich wurden. Was vielleicht auch geschehen wäre, hätten wir alle unsere Kinder dabei gehabt (die sich später auch kennenlernten und mochten) – aber ziemlich sicher unter einem anderen Stern.