«Wir können es sowieso nicht allen recht machen»

Warum wir aufhören sollten, immer allen gefallen zu wollen

Viele Menschen machen sich ständig Gedanken darüber, was andere von ihnen denken. Ein Psychologe erklärt, woher dieses Verhaltensmuster kommt und was man dagegen tun kann.

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Unserer mentalen Gesundheit tut es nicht gut, wenn wir ständig allen gefallen wollen. Trotzdem können viele diesen unstillbaren Wunsch nach Anerkennung nicht loslassen. «Die Angst, anderen nicht zu gefallen, ist tief in uns verwurzelt und hat damit zu tun, dass wir soziale Wesen sind. Früher waren wir in kleineren Gemeinschaften unterwegs und da war es wichtig, möglichst mit allen gut auszukommen und bei allen gut anzukommen, weil ein Ausschluss schlimmstenfalls lebensbedrohlich gewesen wäre», erklärt der Psychologe Ben Kneubühler (35).

Psychologisch gesehen gebe es unter anderem die Grundbedürfnisse nach Bindung und Selbstwert. Wenn man sich zugehörig fühlt, Erfolgserlebnisse hat und vor anderen gut dasteht, werden diese Bedürfnisse gestillt. «Ein weiterer Grund für die Angst, anderen nicht zu gefallen, können Erfahrungen aus der Vergangenheit sein, beispielsweise mit den Eltern oder anderen nahen Bezugspersonen», ergänzt Kneubühler.

Das Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung kann im ungesunden Bereich zum Problem werden. «Der grösste Schaden ist wohl, dass wir das Ziel, allen zu gefallen, sowieso nie erreichen werden», so Kneubühler. Dementsprechend erleben wir eine unendliche Serie von Misserfolgen. «Dies allein bringt viel Stress und Unzufriedenheit mit sich. Zusätzlich engt das Nachdenken über andere unsere eigene Kreativität ein und hindert uns, eigene Träume umzusetzen und Bedürfnisse zu befriedigen», erklärt der Psychologe weiter. Auf Dauer macht dieses Verhalten unzufrieden und im schlimmsten Fall sogar krank.

Um aufzuhören, allen gefallen zu wollen, müsse man zuerst überhaupt merken, dass dies der Grund für Stress und Unzufriedenheit ist. «In einem nächsten Schritt könnte man dann akzeptieren, dass dies menschlich ist. Erst dann kann man sich bewusst entscheiden, ob man seine Denkweise ändern will», rät der Psychologe. Es kann sich manchmal so anfühlen, als ob man das geringere Übel wählt: Ich nehme in Kauf, dass ich jemandem nicht gefalle, gewinne dafür aber mehr Freiheit.

Idealerweise stärkt man sein Selbstwertgefühl und behandelt sich so, wie man von anderen behandelt werden möchte. Wenn man innerlich erfüllt ist, muss man auch nicht ständig nach Liebe im Äusseren suchen. Auch mit Ablehnung kann man viel besser umgehen, weil man seine Selbstliebe nicht auf derMeinung anderer aufbaut.

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